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Das Wichtigste in Kürze
- Ringelblume, Schafgarbe, Kamille und Arnika gehören zu den klassischen Pflanzen der Stallapotheke.
- Ringelblume eignet sich besonders für oberflächliche Wunden, Arnika dagegen nur für geschlossene Verletzungen.
- Bei tiefen, stark blutenden oder infizierten Wunden den Tierarzt aufsuchen.
4 Pflanzen, die in der urheimischen Notfall-Apotheke nicht fehlen sollten
Als „urheimisch“ bezeichnen wir Pflanzen, die seit langer Zeit in Mitteleuropa heimisch sind und hier über Generationen hinweg traditionell auch zur Wund- und Hautpflege eingesetzt wurden. Ringelblume, Schafgarbe, Kamille und Arnika gehören zu den bekanntesten Vertretern. Sie haben einen festen Platz in der traditionellen Pflanzenkunde und können auch heute eine sinnvolle Ergänzung für die natürliche Erstversorgung sein.
Bei tiefen, klaffenden oder stark blutenden Wunden sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden. Gleiches gilt bei Anzeichen einer Infektion wie Schwellung, Wärme oder Ausfluss, bei Wunden in Gelenknähe sowie bei Fieber, Kolik oder Lahmheit.
#1. Ringelblume (Calendula officinalis)
Die Ringelblume gehört zu den am besten untersuchten Pflanzen für die pflanzliche Wundpflege im Tierbereich. In einer 2019 veröffentlichten Fallserie wurden große, teils infizierte offene Wunden bei verschiedenen Tieren, darunter auch ein Pferd mit einer Verletzung am Sprunggelenk, zweimal täglich mit einer 10-prozentigen Calendula-Zubereitung behandelt. Die Autoren berichten von einer zufriedenstellenden Heilung im Vergleich zur routinemäßigen klinischen Behandlung [1]. Eine weitere systematische Übersichtsarbeit aus demselben Jahr, die Tier- und Humanstudien zusammenfasst, kommt zu dem Ergebnis, dass Calendula-Extrakte die Entzündungsphase beeinflussen und die Bildung von Granulationsgewebe fördern können. Bei chronischen Wunden waren die Ergebnisse allerdings weniger eindeutig [6].
Für die Notfallapotheke eignet sich Ringelblume daher vor allem zur unterstützenden Pflege oberflächlicher, bereits gereinigter Wunden.
💡 Extra-Tipp zur Anwendung: Ringelblume als Salbe oder Tinktur bereithalten. Wichtig: Erst nach gründlicher Wundreinigung nutzen, idealerweise zweimal täglich dünn auftragen. Bei tiefen oder stark verschmutzten Wunden sollte vorher ein Tierarzt entscheiden, ob eine Naht oder weitere Versorgung nötig ist. Ringelblume ersetzt diesen Schritt nicht.
Turnierhinweis: Ringelblumensalbe zur äußerlichen Anwendung gilt als ADMR-konform und steht auf der Liste der ausdrücklich erlaubten Mittel der FN [7]. Für Turnierpferde ist sie damit unproblematisch.
#2. Schafgarbe (Achillea millefolium) *
Schafgarbe gilt seit der Antike als klassisches Wundkraut. Ihr botanischer Name erinnert an den griechischen Helden Achilles, dem die Verwendung der Pflanze zur Wundbehandlung zugeschrieben wird. Auch heute ist die Pflanze wissenschaftlich interessant: Eine 2025 veröffentlichte Studie untersuchte Schafgarbe gemeinsam mit vier weiteren Pflanzenextrakten an einem Wundmodell bei Pferden. Sowohl im Zellversuch mit menschlichen Immunzellen als auch in ersten Fallbeobachtungen an Pferden mit offenen Wunden zeigten sich Hinweise auf entzündungshemmende Effekte und eine Unterstützung der Wundheilung [2].
💡 Extra-Tipp zur Anwendung: Als Kräuterextrakt oder getrocknetes Kraut für feuchte Umschläge bei kleineren Hautverletzungen nutzen. Praktisch für die Notfalltasche: getrocknetes Kraut hält sich lange und lässt sich bei Bedarf mit warmem Wasser zu einem Umschlag aufbereiten.
*Turnierhinweis: Für Schafgarbe wird laut ADMR eine Karenzzeit von 48 Stunden empfohlen [7]. Vor einem Turnierstart also rechtzeitig absetzen.
#3. Kamille (Matricaria chamomilla) *
Kamille zählt zu den am besten untersuchten Heilpflanzen und ist vor allem für ihre entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften bekannt. Eine kontrollierte klinische Studie am Menschen zeigte positive Effekte auf die Wundheilung [3]. Auch Tierstudien, unter anderem an Ratten mit Brandwunden, liefern Hinweise auf eine beschleunigte Heilung durch Kamillenextrakt [4].
Für die traditionelle Anwendung bei Hautreizungen und kleineren Wunden sind diese Ergebnisse interessant. Als mögliche Grundlage der entzündungshemmenden Wirkung gilt unter anderem der Inhaltsstoff Bisabolol.
💡 Extra-Tipp zur Anwendung: Kamillenblüten als Aufguss zubereiten und lauwarm als Spülung oder Umschlag verwenden, aber nur bei gereizter, nicht offener Haut. Für die Notfallapotheke eignen sich getrocknete Blüten, die vor Gebrauch frisch aufgebrüht werden.
*Turnierhinweis: Auch Kamille gilt als ADMR-relevant, empfohlen wird eine Karenzzeit von 48 Stunden vor dem Turnierstart [7].
#4. Arnika (Arnica montana) *
Arnika gehört zu den traditionsreichsten Heilpflanzen Europas und wird seit Langem äußerlich bei Prellungen, Verstauchungen und Blutergüssen eingesetzt. Für die Notfallapotheke ist dabei vor allem eines wichtig: Arnika gehört auf die geschlossene Haut und nicht auf offene Wunden. Sie eignet sich daher zur äußerlichen Pflege bei Schwellungen, Blutergüssen und stumpfen Verletzungen.
Untersuchungen weisen auf entzündungshemmende Eigenschaften von Arnika hin [5]. Die Anwendung bei stumpfen Verletzungen hat zudem eine lange Tradition in der Pflanzenheilkunde.
💡 Extra-Tipp zur Anwendung: Arnikagel ausschließlich bei geschlossener Haut auftragen, also bei Prellungen, Schwellungen und Blutergüssen. Auf offene Wunden gehört Arnika nicht, hier droht eine Hautreizung statt einer Heilungsförderung.
*Turnierhinweis: Arnika zählt zu den dopingrelevanten Naturheilmitteln und muss laut ADMR spätestens zwei Tage vor Turnierstart abgesetzt werden [7].
Was sonst noch in die Notfallapotheke gehört
Neben den vier Pflanzen und ihren Zubereitungen macht eine solide Grundausstattung die Notfallapotheke erst komplett. Pflanzliche Mittel sind eine sinnvolle Ergänzung, sie ersetzen aber keine gründliche Wundreinigung und keine professionelle Diagnostik. Folgendes gehört zusätzlich in jede gut sortierte Stallapotheke:
- Steriles Verbandsmaterial (Kompressen, selbsthaftende Bandagen, Wundauflagen) in verschiedenen Größen
- Physiologische Kochsalzlösung zur schonenden Wundreinigung
- Eine desinfizierte Verbandsschere mit abgerundeter Spitze
- Einweghandschuhe für die hygienische Wundversorgung
- Ein digitales Fieberthermometer, um im Zweifel schnell den Normalwert zu kontrollieren
- Eine Taschenlampe für die Kontrolle in dunklen Boxen oder auf der Weide
- Die Telefonnummer der behandelnden Tierarztpraxis sowie eines tierärztlichen Notdienstes, gut sichtbar hinterlegt
- Kühlgamaschen oder ein Kühlpack für akute Schwellungen (Temperatur nicht unter 0 °C, sonst ADMR-relevant)
Wer mag, kann die Zusammenstellung in einer wasserdichten Box im Stall lagern und den Inhalt regelmäßig auf Vollständigkeit und Haltbarkeit prüfen. Gerade pflanzliche Zubereitungen wie Tinkturen oder Aufgüsse haben ein begrenztes Haltbarkeitsfenster.
Fazit
Ringelblume, Schafgarbe, Kamille und Arnika gehören zu Recht in jede gut sortierte Stallapotheke. Vier bewährte Helfer für kleinere Blessuren, griffbereit, natürlich und mit klarer Anwendungsgrenze. Ab zum Tierarzt heißt es bei tiefen, klaffenden oder stark blutenden Wunden, bei Anzeichen einer Infektion wie Schwellung, Wärme oder Ausfluss, bei jeder Wunde in Gelenknähe sowie bei Verdacht auf Kolik, Fieber oder Lahmheit. In all diesen Fällen sind pflanzliche Mittel kein Ersatz für eine tierärztliche Untersuchung, sondern höchstens eine Ergänzung nach der Erstversorgung.