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Das Wichtigste in Kürze
- Harmlos bis ernst: Leichte Blähungen sind meist ungefährlich, schwere Blähungen können jedoch zu lebensbedrohlichen Koliken führen
- Hauptursachen: Fehlgärungen im Dickdarm durch falsches Futter, gestörte Darmflora oder zu hastiges Fressen
- Behandlung: Bewegung, verdauungsfördernde Kräuter wie Fenchel und Anis sowie angepasste Fütterung helfen effektiv
- Tierarzt nötig: Bei anhaltenden starken Schmerzen, Verweigerung von Futter und Wasser oder Anzeichen einer Kolik sofort den Tierarzt konsultieren
Wann werden Blähungen beim Pferd gefährlich?
Blähungen beim Pferd sind grundsätzlich nicht bedrohlich, doch eine anhaltende Gasbildung kann problematisch werden. Gefährlich wird es, wenn sich große Gasmengen im Darm ansammeln und auf das Zwerchfell drücken oder die Durchblutung des Darms beeinträchtigen. In schweren Fällen kann sich eine Gaskolik entwickeln, die unbehandelt lebensbedrohlich werden kann. Handeln solltest du spätestens dann, wenn dein Pferd starke Unruhe zeigt oder sich häufig hinlegt und wieder aufsteht.
📌 Wichtig: Blähungen treten beim Pferd nicht als eigenständiges Krankheitsbild auf. Stattdessen werden sie unter dem Begriff „Kolik“ zusammengefasst. Koliken sind ein Sammelbegriff für verschiedene schmerzhafte Erkrankungen des Verdauungstrakts, bei denen es unter anderem zu Gasansammlungen im Darm kommen kann. Zur besseren Verständlichkeit verwenden wir in diesem Artikel dennoch den Begriff „Blähungen“, auch wenn er medizinisch nicht ganz korrekt ist.

Blähungen beim Pferd erkennen: Typische Symptome
Das frühzeitige Erkennen von Blähungen ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Achte besonders auf Veränderungen im Verhalten deines Pferdes, da diese oft die ersten Anzeichen sind. Ein aufmerksamer Pferdebesitzer kann bereits bei leichten Symptomen eingreifen und schwerwiegendere Probleme verhindern. Beobachte dein Pferd regelmäßig, um Veränderungen schnell zu bemerken.
- Aufgeblähter Bauch: Der Bauch beim Pferd wirkt ungewöhnlich rund und gespannt, besonders sichtbar in der Flankenregion
- Verstärkte Darmgeräusche: Gurgelnde oder blubbernde Geräusche aus dem Verdauungstrakt, die lauter sind als sonst
- Unruhe und Unbehagen: Das Pferd zeigt Anzeichen von Bauchschmerzen durch Scharren, Umblicken zum Bauch oder häufiges Hinlegen
- Verminderte Futteraufnahme: Appetitlosigkeit oder zögerliches Fressen trotz normalerweise gutem Appetit
- Veränderte Kotabsetzung: Weniger oder gar kein Kot, oder der Kot wirkt trocken und hart
Blähungen beim Pferd: Was tun? Unser 6-Schritte-Plan
Mit unserem 6-Schritte-Guide kannst du dein Pferd effektiv unterstützen und den Magen-Darm-Trakt gezielt entlasten und entspannen. Denke bitte daran, dass bei anhaltenden Problemen ein Tierarzt konsultiert werden sollte, um die Entwicklung schwerwiegenderer Probleme zu verhindern.
Schritt 1: Sofortmaßnahmen einleiten
Sobald du Blähungen bei deinem Pferd erkennst, entferne zunächst alles Futter und Heu. Die Verdauung beim Pferd funktioniert kontinuierlich, und weiteres Futter würde die Gasbildung verstärken. Sorge für eine ruhige Umgebung und überwache dein Pferd besonders in den ersten Stunden. Kontrolliere alle 15-20 Minuten die Vitalzeichen und das Verhalten.
📌 Wichtiger Tipp: Dokumentiere die Symptome und deren Verlauf. Die Informationen sind für den Tierarzt wertvoll, falls sich der Zustand verschlechtern sollte.
Schritt 2: Bewegung fördern
Leichte Bewegung aktiviert die Darmmotilität und kann helfen, angesammelte Gase zu lösen. Führe dein Pferd im Schritt spazieren, aber vermeide anstrengende Aktivitäten. 10-15 Minuten langsames Gehen können bereits deutliche Verbesserung bringen. Achte darauf, dass dein Pferd nicht zu erschöpft wird und gib ihm kleine Pausen, damit sich der Blähbauch beim Pferd lösen kann.
Bewegungsplan:
- 10-15 Minuten Schritt im Führzügel
- Pausen einlegen, wenn das Pferd müde wird
- Bei Verschlechterung sofort stoppen
Schritt 3: Verdauungsfördernde Kräuter anwenden
Kräuter wie Fenchel, Anis und Kamille haben sich bei der Behandlung von Blähungen bewährt. Sie fördern eine gesunde Verdauung und können Fehlgärungen reduzieren. Bereite einen Tee aus diesen Kräutern zu oder verwende fertige Kräutermischungen. Die ätherischen Öle wirken krampflösend und reduzieren die Gasbildung.
Dosierung für ein 500kg schweres Pferd:
- Fenchelsamen: 15-20g täglich
- Anis: 10-15g täglich
- Kamille: 20-30g als Tee
- Cystus Equine: 20-30g täglich
📌 Achtung: Diese Mischung kann als dopingrelevant eingestuft werden, weshalb du sie mind. 48h vor dem Turnier nicht mehr zuführen solltest.
Schritt 4: Sanfte Bauchmassage durchführen
Eine vorsichtige Massage der Bauchregion kann die Darmbewegung anregen und Krämpfe lösen. Verwende kreisende Bewegungen mit flacher Hand auf beiden Seiten des Bauches. Massiere etwa 5-10 Minuten lang sanft und gleichmäßig. Höre sofort auf, wenn dein Pferd Abwehrreaktionen zeigt oder sich die Symptome verschlechtern.
Schritt 5: Flüssigkeitszufuhr sicherstellen
Ausreichend Wasser ist für eine normale Verdauung unerlässlich. Stelle sicher, dass dein Pferd Zugang zu frischem, sauberem Wasser hat. Warmes Wasser wird oft besser angenommen und kann zusätzlich entspannend wirken.
📌 Praxis-Tipp: Mash aus eingeweichten Haferflocken mit warmen Kräutertee kann die Verdauung sanft unterstützen. Die Mischung solltest du jedoch nur in kleinen Mengen geben, da zu große Portionen die Verstopfung verstärken können.
Schritt 6: Geduldig beobachten und dokumentieren
Überwache dein Pferd kontinuierlich und dokumentiere Verbesserungen oder Verschlechterungen. Normale Blähungen sollten sich innerhalb von 2-4 Stunden bessern. Notiere dir Zeitpunkt, Dauer und Art der Symptome.
Mythen und Irrtümer: Was nicht hilft
Leider kursieren viele falsche Informationen über die Behandlung von Blähungen bei Pferden. Manche gut gemeinte Ratschläge können sogar schädlich sein und die Situation verschlimmern.
- Mythos 1: "Viel Bewegung hilft immer" → Übermäßige Anstrengung kann bei schweren Blähungen gefährlich werden und eine Kolik auslösen. Du kannst mit deinem Pferd spazieren gehen, solltest jedoch auf die Reaktion achten und bei Unbehagen eine Pause einlegen.
- Mythos 2: "Mehr Futter schiebt nach" → Bei Blähungen sollte der Verdauungstrakt geschont werden. Gib deinem Pferd nur kleine Portionen aller 3-4 Stunden, um die Verdauung leicht anzuregen, aber nicht zu überfordern.
- Mythos 3: "Alle Pferde vertragen die gleichen Kräuter" → Individuelle Unverträglichkeiten können auftreten, daher solltest du neue Mittel vorsichtig testen
So kannst du Blähungen beim Pferd vorbeugen
Vorbeugen ist immer besser als behandeln, besonders bei Pferden mit Neigung zu Blähungen.
- Ausgewogene Fütterung: Füttere regelmäßig kleine Portionen statt weniger großer Mahlzeiten und achte auf leicht verdauliche Futtermittel
- Qualitätskontrolle: Verwende nur einwandfreies Heu und Kraftfutter, kontrolliere regelmäßig auf Schimmel oder Verunreinigungen
- Ausreichend Bewegung: Sorge für tägliche Bewegung, um die natürliche Darmmotilität zu fördern und die Verdauung anzuregen
- Stressreduktion: Minimiere Stress durch gleichmäßige Routinen und eine ruhige Stallumgebung
- Natürliche Futterergänzung: Cystus Equine kann als präventive Maßnahme die Darmgesundheit unterstützen und das Immunsystem stärken
- Langsames Fressen fördern: Verwende Heunetze oder spezielle Futtertröge, um hastiges Fressen zu verhindern
Wann du einen Tierarzt konsultieren solltest
Auch wenn natürliche Methoden meist gute Unterstützung bieten, gibt es Situationen, in denen professionelle tierärztliche Hilfe unerlässlich ist. Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen solltest du nicht zögern, einen Tierarzt zu kontaktieren. Manche Symptome können auf ernste Grunderkrankungen wie eine beginnende Kolik hindeuten, die sofortige medizinische Intervention erfordern. Im Zweifel ist es immer besser, einmal zu viel als zu wenig den Tierarzt zu konsultieren, denn bei Pferden können sich Zustände schnell verschlechtern.
Symptome die sofortigen tierärztlichen Besuch erfordern:
- Starkes Schwitzen und Unruhe
- Vollständige Verweigerung von Futter und Wasser über mehrere Stunden
- Erhöhte Herzfrequenz (über 60 Schläge pro Minute)
- Koliksymptome wie Wälzen oder ständiges Hinlegen und Aufstehen
- Aufgeblähter Bauch in Kombination mit anderen Krankheitszeichen
Fazit
Blähungen beim Pferd sind zwar beunruhigend, aber mit dem richtigen Wissen und natürlichen Behandlungsmethoden oft gut zu bewältigen. Die Kombination aus präventiven Maßnahmen, schnellem Erkennen der Symptome und gezielter Behandlung gibt dir die Werkzeuge an die Hand, um deinem Pferd effektiv zu helfen. Vergiss dabei jedoch nie, dass bei ernsteren Problemen der Gang zum Tierarzt unverzichtbar ist und natürliche Heilmethoden ihre Grenzen haben.