braunes Pferd auf Weide, Sträucher

Magenprobleme beim Pferd: 6 Hausmittel, die effektiv gegen Magenprobleme helfen

Zeigt dein Pferd Anzeichen von Unwohlsein, verweigert das Futter oder wirkt beim Training weniger leistungsbereit, können Magenbeschwerden dahinterstehen. Magenprobleme beim Pferd sind häufiger als viele Pferdebesitzer vermuten und können das Wohlbefinden des Vierbeiners erheblich beeinträchtigen. Wir zeigen dir, wie du bereits mit bewährten Hausmitteln sanft die Magengesundheit deines Pferdes natürlich unterstützen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

     Magenbeschwerden wie Magengeschwüre beim Pferd entstehen häufig durch Stress, falsche Fütterung oder intensive körperliche Anstrengung                              

     Natürliche Hausmittel wie Leinsamen und Kamille* können die Magenschleimhaut schützen und regenerieren

     Eine angepasste Fütterung mit viel Raufutter und reduziertem Kraftfutter ist essentiell für die Magengesundheit

     Bei anhaltenden Symptomen wie Kolik, Zähneknirschen oder Futterverweigerung sollte ein Tierarzt konsultiert werden

Wie kritisch ist ein Magengeschwür beim Pferd?

Ein Magengeschwür signalisiert meist ein Ungleichgewicht zwischen der Magensäureproduktion und den natürlichen Schutzmechanismen der Magenschleimhaut. Besonders problematisch wird es, wenn die Säureproduktion durch Stress oder falsche Fütterung übermäßig angeregt wird, während gleichzeitig zu wenig schützender Speichel gebildet wird.

Ignorierst du die ersten Anzeichen, können sich die Beschwerden verstärken und zu chronischen Magenproblemen entwickeln. In schweren Fällen kann eine unbehandelte Magenschleimhautentzündung sogar zu Koliken oder anderen Verdauungsstörungen führen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn dein Pferd zusätzlich Symptome wie Koppen, Zähneknirschen, Flehmen oder wiederholtes Gähnen beim Fressen zeigt.

Die 3 häufigsten Ursachen

Magengeschwüre beim Pferd können aus verschiedenen Problemen heraus entstehen, jedoch gibt es drei typische Ursachen, auf die du besonders achten solltest:

     Falsche Fütterung: Zu viel Kraftfutter, zu wenig Raufutter oder lange Fresspausen führen zu einem ungünstigen pH-Wert im Magen und reizen die Magenschleimhaut durch überschüssige Magensäure.                                                   

     Stress und intensive Belastung: Turniere, Transport oder intensives Training können bei Pferden Stress auslösen, der die Magensäureproduktion anregt und gleichzeitig die natürlichen Schutzmechanismen schwächt.                                   

     Medikamente und Behandlungen: Schmerzmittel oder andere Medikamente können die Magenschleimhaut angreifen und bei längerer Anwendung zu Magenproblemen führen.

6 bewährte Hausmittel gegen Magenbeschwerden beim Pferd

Die folgenden natürlichen Mittel haben sich in der Praxis bewährt und können die Magenschleimhaut schützen sowie die Genesung unterstützen. Wichtig sind dabei die richtige Anwendung und Dosierung, um optimale Ergebnisse zu erzielen und eine nachhaltige Besserung zu erreichen.

Hausmittel #1: Cystus (Graubehaarte Zistrose)

Cistus incanus, auch bekannt als Graubehaarte Zistrose, ist reich an Gerbstoffen, die eine natürlich schützende Wirkung auf die Magenschleimhaut haben [1].

Anwendung: 15-20 g Cystus Equine® Bio Granulat pro 100 kg Körpergewicht täglich über das Futter geben, aufgeteilt auf 2-3 Portionen.

Hausmittel #2: Leinsamen

Leinsamen bilden beim Quellen eine schleimige Substanz, die sich wie ein natürlicher Schutzfilm auf die Magenschleimhaut legt. Der Schleim kann die gereizte Magenschleimhaut beruhigen und vor überschüssiger Magensäure schützen. Zusätzlich liefern Leinsamen wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken [2].

Anwendung: 50-100 g geschrotete Leinsamen täglich über Nacht in warmem Wasser quellen lassen und als Mash verfüttern.

Hausmittel #3: Kamille*

Kamille wirkt beruhigend und entzündungshemmend auf den gesamten Verdauungstrakt. Die ätherischen Öle und Flavonoide können Krämpfe lösen und die Heilung der Magenschleimhaut fördern. Kamille ist besonders geeignet für Pferde mit empfindlichem Magen oder stressbedingten Magenproblemen [3].

Anwendung: 20-30 g getrocknete Kamillenblüten als Tee aufbrühen, abkühlen lassen und täglich über das Futter geben oder separat anbieten.

Hausmittel #4: Ulmenrinde

Die Rinde der Rotulme enthält Schleimstoffe, die die Magenschleimhaut stärken können. Diese natürliche Barriere hilft dabei, die empfindliche Schleimhaut vor aggressiver Magensäure zu schützen und gleichzeitig die Heilung zu fördern. Ulmenrinde ist besonders mild und wird auch von empfindlichen Pferden gut vertragen [3].

Anwendung: 15-25 g Ulmenrindenpulver täglich mit etwas Wasser anrühren und über das Futter geben.

Hausmittel #5: Süßholzwurzel*

Die Süßholzwurzel kann die körpereigene Schleimproduktion anregen und hat gleichzeitig entzündungshemmende Eigenschaften. Die enthaltenen Saponine können dabei helfen, die natürlichen Abwehrmechanismen der Magenschleimhaut zu stärken. Süßholzwurzel wirkt außerdem beruhigend auf den gesamten Verdauungstrakt [4].

Anwendung: 10-20 g Süßholzwurzelpulver täglich über das Futter streuen, nicht länger als 4 Wochen am Stück verwenden.

 

Hausmittel #6: Pfefferminze*

Pfefferminze hat einen krampflösenden Effekt und kann bei Magenbeschwerden beruhigend wirken [5]. Die ätherischen Öle können die Verdauung fördern und gleichzeitig entzündliche Prozesse hemmen. Pfefferminze ist besonders hilfreich bei stressbedingten Magenproblemen und kann das allgemeine Wohlbefinden des Pferdes verbessern.

Anwendung: 15-25 g getrocknete Pfefferminzblätter täglich über das Futter geben oder als Tee zubereiten und abgekühlt anbieten.

Natürliche Futterergänzung bei Magen-Darm-Empfindlichkeiten

Unser speziell entwickeltes Cystus Equine® Bio Granulat bietet deinem Pferd eine schonende und nachhaltige Unterstützung bei Magenproblemen durch die natürliche Kraft der Zistrose.

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Vorbeugen ist besser als behandeln: 5 Präventions-Tipps

Magenbeschwerden entstehen oft durch kleine Probleme im Alltag, die sich aufsummieren. Hoher Stress, falsche Fütterung und kurze Ruhephasen sind häufig Auslöser, können aber meist recht einfach verhindert werden. Statt der Behandlung von Magenproblemen empfehlen wir schon heute vorzusorgen, um Magenprobleme bei deinem Pferd zu reduzieren und langfristig für eine stabile Magengesundheit zu sorgen.

  1. Regelmäßige Raufuttergabe: Sorge dafür, dass dein Pferd mindestens 12-14 Stunden täglich Zugang zu qualitativ hochwertigem Heu oder Gras hat. Lange Fresspausen sollten vermieden werden, da die Magensäure stärker auf einen leeren Magen wirkt, was schnell zu Magenproblemen führen kann.

  2. Kraftfutter reduzieren und aufteilen: Teile die tägliche Kraftfutterration auf mehrere kleine Portionen auf und reduziere zucker- und stärkereiche Futtermittel. Hafer sollte nur in geringen Mengen gefüttert werden, da er die Magensäureproduktion stark anregt.

  3. Stress minimieren: Schaffe eine ruhige Stallatmosphäre und vermeide unnötigen Stress durch häufigen Standortwechsel oder aggressive Herdendynamik. Bei Turnieren oder Transport kannst du präventiv magenschonende Kräuter füttern. Aber Achtung: Einige Kräuter können als Doping-Mittel eingestuft werden. Informiere dich vorher in unserem Doping-Guide.

  4. Ausreichend Weidegang: Pferde, die täglich mehrere Stunden auf der Weide stehen können, haben deutlich seltener Magenprobleme. Das kontinuierliche Grasen fördert die Speichelproduktion. Die Bewegung sorgt zudem für eine bessere Verdauung des Pferdes.

  5. Regelmäßige Fütterungszeiten: Etabliere feste Fütterungszeiten und vermeide abrupte Futterumstellungen. Eine gleichmäßige Fütterungsroutine hilft dem Verdauungssystem, sich optimal auf die Nahrungsaufnahme einzustellen.

📌 Praxis-Tipp: Biete deinem Pferd vor intensivem Training immer eine kleine Portion Heu an. Das schützt die Magenschleimhaut vor den Auswirkungen der erhöhten Säureproduktion.

Wann ein Tierarzt nötig ist

Auch wenn natürliche Mittel oft gute Erfolge erzielen, gibt es Situationen, in denen professionelle tierärztliche Hilfe unerlässlich ist. Bei folgenden Warnsignalen solltest du nicht zögern und umgehend einen Tierarzt kontaktieren:

     Anhaltende Futterverweigerung über mehrere Tage

     Kolik-Symptome oder starke Bauchschmerzen

     Deutlicher Gewichtsverlust trotz ausreichender Fütterung

     Häufiges Koppen oder intensives Zähneknirschen

     Apathie oder deutlich veränderte Wesensart

     Durchfall oder andere schwere Verdauungsstörungen

     Fieber oder andere Anzeichen einer Erkrankung

Eine tierärztliche Untersuchung kann durch eine Gastroskopie den genauen Zustand der Magenschleimhaut aufzeigen und die Schwere der Erkrankung bestimmen. Nur so lässt sich feststellen, ob zusätzlich zur natürlichen Behandlung temporär auch Medikamente nötig sind, um die Säureproduktion zu hemmen.

Fazit

Magengeschwüre beim Pferd sind ein ernstzunehmendes, aber durchaus behandelbares Problem. Mit den richtigen natürlichen Hausmitteln und einer angepassten Fütterung kannst du deinem Pferd effektiv helfen und langfristig für eine stabile Magengesundheit sorgen. Wichtig ist dabei Geduld und Konsequenz, da natürliche Heilung Zeit braucht. Bei Unsicherheiten oder schweren Symptomen scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

*Die markierten Pflanzen sind dopingrelevant und sollten daher mindestens 48 Stunden vor dem Turnier nicht mehr verzehrt werden.

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Häufig gestellte Fragen

Was hilft am besten gegen Magenschleimhautreizungen beim Pferd?

Die wirksamsten Hausmittel sind gequollene Leinsamen und Kamillentee, da sie sanft die Magenschleimhaut schützen. Gleichzeitig muss die Ursache behoben werden, beispielsweise durch eine angepasste Fütterung mit mehr Raufutter und weniger Kraftfutter.

Welche Kräuter helfen bei Magenproblemen beim Pferd?

Besonders bewährt haben sich Kamille*, Süßholzwurzel* und Pfefferminze* aufgrund ihrer entzündungshemmenden und
schleimhautschützenden Eigenschaften. Auch Ulmenrinde, Cistus incanus und spezielle Kräutermischungen können unterstützend wirken. Die Wirksamkeit hängt von der richtigen Dosierung und regelmäßigen Anwendung ab.

Disclaimer

Die in diesem Artikel vorgestellten Hausmittel, Kräuter und Empfehlungen basieren auf praktischen Erfahrungen und traditionellem Wissen. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen solltest du immer einen Tierarzt konsultieren. Jedes Pferd reagiert individuell auf Behandlungen, daher können die genannten Mittel unterschiedlich wirken. Die Anwendung der Hausmittel erfolgt auf eigene Verantwortung.

*Die markierten Pflanzen fallen unter doping-relevante Substanzen und sollten daher mind. 48 Stunden vor einem Turnier nicht verfüttert werden.

Kristin Trabandt

Kristin Trabandt

Versiert mit Ernährung für Pferde

Kristin Trabandt arbeitet bei Dr. Pandalis und ist langjährig versiert mit der Ernährung bei Pferden, insbesondere im Bereich pflanzlicher Wirkstoffe wie Cistus incanus. Mit ihrer Erfahrung verbindet sie traditionelles Wissen mit moderner Pferdeernährung.

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Quellen

1 Attaguile G, Caruso A, Pennisi G, Savoca F. Gastroprotective effect of aqueous extract of Cistus incanus L. in rats. Pharmacol Res. 1995 Jan;31(1):29-32. doi: 10.1016/1043-6618(95)80043-3. PMID: 7784302.

2 Meyer E-A  Mildes Laxans, Magenmittel und pflanzliches «Statin». Gesundheitsfördernde Eigenschaften von Leinsamen. ARS MEDICI 22 | 2018

3 Fruhmann, Leander. Kräuter-Kunde für Pferde: Natürliche
Heilpflanzen und ihre Anwendung in der Pferdemedizin: Vom Grundsatz bis zum Detail ganzheitlich. Deutschland: Books on Demand, 2024.

4 Bühring U. Praxis-Lehrbuch der modernen
Heilpflanzenkunde. 1. Auflage. Stuttgart: Sonntag; 2005

5 Scarpellini E, Broeders B, Schol J, Santori P, Addarii M, Boccuto L, Carbone F, Abenavoli L, Tack J. The Use of Peppermint Oil in Gastroenterology. Curr Pharm Des. 2023;29(8):576-583. doi: 10.2174/1381612829666230328163449. PMID: 36994979.