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Das Wichtigste in Kürze
- Pferde zeigen Schmerzen aus evolutionären Gründen häufig eher zurückhaltend. Das erschwert die Schmerzerkennung und wird auch in der aktuellen Forschung berücksichtigt [1].
- Validierte Schmerzskalen ermöglichen inzwischen eine deutlich objektivere Einschätzung des Schmerzgrades beim Pferd [1] [2] [3].
- Pflanzen wie Teufelskralle, Ingwer, Weidenrinde und Mädesüß oder auch der Wirkstoff CBD werden traditionell bei Schmerzen und Entzündungen eingesetzt.
Warum Schmerzerkennung beim Pferd so schwierig ist
Schmerzen zeigen? Für ein Pferd lautet die Devise eher: bloß nicht auffallen. Als Fluchttier kann es sich nicht leisten, Schwäche allzu deutlich zu zeigen. Ein verletztes oder offensichtlich krankes Tier wäre in freier Wildbahn leicht als Beute auszumachen. Deshalb können Pferde Schmerzen erstaunlich lange überspielen.
Für den Besitzer bedeutet das im Umkehrschluss: Wenn deutlich sichtbar ist, dass etwas nicht stimmt, können die Beschwerden durchaus schon länger bestehen.
Ganz unsichtbar bleiben Schmerzen beim Pferd allerdings nicht. Pferde verändern beispielsweise ihre Mimik, Körperhaltung, Bewegung oder ihr Verhalten. Genau diese oft kleinen Veränderungen machen sich moderne Schmerzskalen zunutze. In Studien wird das Verhalten teilweise sogar per Video beurteilt, damit die Anwesenheit eines Menschen die Reaktion des Pferdes möglichst wenig beeinflusst [1].
Trotzdem bleibt die Schmerzerkennung eine Herausforderung. Denn was für den einen Beobachter nach einem klaren Schmerzsignal aussieht, kann für den nächsten noch völlig unauffällig wirken. Verschiedene Schmerzskalen können dabei helfen, solche Einschätzungen objektiver zu machen, werden in der Praxis allerdings nicht immer einheitlich eingesetzt [2]. Umso wichtiger ist es, nicht nur auf ein einzelnes Signal zu achten, sondern das gesamte Pferd im Blick zu behalten.
Hat mein Pferd Schmerzen? Diese Signale solltest du kennen
Schmerz hat beim Pferd viele Gesichter. Angelegte Ohren, ein angespannter Blick oder eine ungewohnte Körperhaltung können Hinweise sein, müssen aber nicht immer dasselbe bedeuten. Noch deutlicher wird es, wenn man sich anschaut, wo der Schmerz sitzt: Eine Hufrehe kann ganz anders aussehen als ein Hufabszess oder chronische Rückenschmerzen.
#1 Hufrehe: ein Paradebeispiel für starken, plötzlichen Schmerz
Bei einer akuten Hufrehe (Laminitis) fällt meist schnell auf, dass etwas nicht stimmt. Die betroffenen Pferde wirken niedergeschlagen, stehen ungern auf und versuchen, das Gewicht von den schmerzenden Hufen zu nehmen. Beim Stehen verlagern sie ihr Gewicht häufig nach hinten, beim Bewegen zeigen sie oft einen vorsichtigen, kurzschrittigen Gang [11].
Die typische Haltung und das veränderte Bewegungsmuster können daher wichtige Hinweise auf Schmerzen sein. Bei Verdacht auf Hufrehe sollte allerdings immer schnell tierärztlich gehandelt werden.
#2 Hufabszess: plötzlich und schmerzhaft
Auch ein Hufabszess kann ein Pferd innerhalb kürzester Zeit stark ausbremsen. Typisch sind eine deutliche Lahmheit, die Entlastung des betroffenen Beins, Wärme am Huf und ein verstärkter Puls an der Fessel [12] [13]. Je nach Lage des Abszesses kann das Pferd das betroffene Bein sogar kaum noch belasten.
Nicht immer ist die Ursache allerdings sofort eindeutig. Liegt der Abszess zunächst tief im Huf und ist noch nicht aufgebrochen, können die Anzeichen anfangs unspezifischer sein. Das Pferd wirkt dann möglicherweise nur unwohl oder entwickelt Fieber, bevor die charakteristische Lahmheit deutlich wird [14].
#3 Rückenschmerzen und Kissing Spines: schwer greifbarer, chronischer Schmerz
Rückenschmerzen zeigen sich beim Pferd oft deutlich weniger eindeutig als etwa ein Hufabszess. Eine mögliche Ursache ist das sogenannte Kissing-Spine-Syndrom. Dabei stehen einzelne Dornfortsätze der Wirbelsäule ungewöhnlich eng zusammen und können sich berühren oder aneinander reiben. Das kann Schmerzen verursachen, muss es aber nicht.
Typische Anzeichen reichen von eingeschränkter Beweglichkeit und Schmerz beim Abtasten des Rückens bis hin zu Abwehrreaktionen beim Satteln oder Reiten. Manche Pferde bocken, andere verweigern das Vorwärtsgehen oder wirken plötzlich ungewohnt unwillig [15].
Genau hier liegt die Schwierigkeit: Ein auffälliges Röntgenbild bedeutet nicht automatisch, dass das Pferd Schmerzen hat. Auch Pferde mit deutlichen Veränderungen an den Dornfortsätzen können im Alltag weitgehend unauffällig sein. Deshalb lassen sich Rückenschmerzen nicht allein anhand eines Röntgenbildes beurteilen. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Befund, klinischer Untersuchung und Verhalten des Pferdes [15].
#4 Kolik: Wenn Bauchschmerzen plötzlich alles verändern
Kolik ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern beschreibt zunächst einmal Bauchschmerzen unterschiedlicher Ursache. Entsprechend unterschiedlich können auch die Anzeichen ausfallen.
Manche Pferde werden unruhig, scharren, schauen immer wieder zum Bauch oder beginnen zu schwitzen. Andere legen sich hin, wälzen sich oder wirken auffallend teilnahmslos. Wie stark ein Pferd seine Schmerzen zeigt, lässt dabei nicht zuverlässig auf die Schwere der Erkrankung schließen.
Gerade deshalb sollte ungewöhnliches Verhalten in Verbindung mit möglichen Kolikanzeichen immer ernst genommen werden. Bei Verdacht auf eine Kolik ist eine zeitnahe tierärztliche Untersuchung wichtig.
#5 Zahnschmerzen: Wenn Fressen plötzlich zur Herausforderung wird
Zahnschmerzen können sich deutlich unauffälliger entwickeln als beispielsweise ein Hufabszess. Manche Pferde zeigen zunächst nur kleine Veränderungen beim Fressen, kauen langsamer oder lassen Futter aus dem Maul fallen. Auch Gewichtsverlust, vermehrtes Speicheln oder Widerstand beim Trensen können Hinweise sein.
Das macht Zahnschmerzen leicht übersehbar, denn ein Pferd muss nicht offensichtlich Schmerzen zeigen, um ein Zahnproblem zu haben. Regelmäßige Zahnkontrollen sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge.
#6 Chronische Schmerzen: Wenn das Pferd einfach nicht mehr dasselbe ist
Während ein Hufabszess oder eine akute Kolik meist schnell auffällt, können chronische Schmerzen wesentlich subtiler daherkommen. Das Pferd wird vielleicht ruhiger, bewegt sich weniger, wirkt weniger aufmerksam oder reagiert plötzlich anders auf Menschen, Artgenossen oder beim Reiten.
Auch Veränderungen der Mimik und Körperhaltung können Hinweise liefern. Gerade diese kleinen Veränderungen sind leicht als Charaktereigenschaft oder schlechte Laune abzutun. Deshalb ist es bei länger bestehenden Beschwerden besonders wichtig, Veränderungen über einen längeren Zeitraum zu beobachten und nicht nur nach einem einzelnen auffälligen Verhalten zu beurteilen.
Schmerz beim Pferd messbar machen: Was die Forschung inzwischen weiß
Schmerz lässt sich beim Pferd zwar nicht einfach abfragen, aber anhand bestimmter Verhaltensmuster zunehmend systematisch erfassen. Dafür wurden in den vergangenen Jahren verschiedene validierte Schmerzskalen entwickelt, die nicht nur auf Lahmheit schauen, sondern das Pferd als Ganzes betrachten.
Untersucht werden dabei unter anderem Körperhaltung, Kopf-Hals-Position, Gewichtsverlagerung und Gesichtsausdruck. Eine Studie zur Erfassung von Schmerzen des Bewegungsapparats zeigte, dass sich solche Merkmale systematisch mit dem tatsächlichen Schmerzgrad in Verbindung bringen lassen [1]. Eine weitere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Pferde mit starken Schmerzen im Stehen unruhiger wirkten und ihre Körperhaltung häufiger veränderten als schmerzfreie Tiere [2].
Auch beim Vergleich verschiedener Schmerzskalen zeigte sich, dass eine sogenannte Composite Orthopedic Pain Scale besonders zuverlässig sein kann. Bei dieser Skala werden mehrere Anzeichen wie Körperhaltung, Bewegung und Verhalten gemeinsam bewertet und zu einem einzigen Punktwert zusammengefasst, statt nur ein einzelnes Merkmal zu betrachten. Ihre Bewertung stimmte am besten mit der tatsächlich gemessenen Bewegungsasymmetrie der Pferde überein [3].
Das Spannende daran: Schmerz beim Pferd ist heute nicht mehr nur eine Frage des Bauchgefühls. Körperhaltung, Bewegung und sogar kleine Veränderungen im Gesicht können messbare Hinweise darauf liefern, dass etwas nicht stimmt.
Pflanzliche Optionen bei Schmerzen: Was die Studienlage hergibt
Schmerz ist beim Pferd kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Warnsignal. Er zeigt an, dass irgendwo im Körper etwas nicht stimmt. Deshalb reicht es nicht, den Schmerz einfach möglichst schnell zum Verschwinden zu bringen. Viel wichtiger ist die Frage: Woher kommt er und was steckt dahinter?
Erst wenn die Ursache bekannt ist, lässt sich das Pferd sinnvoll behandeln. Pflanzliche Präparate können dabei unterstützend eingesetzt werden, sie ersetzen jedoch nicht die Suche nach der Ursache. Bei Tunierpferden ist allerdings Vorsicht geboten, da die meisten Pflanzen doping-relevante Inhaltsstoffe beinhalten und oftmals mindestens 48 Stunden vor dem Turnier nicht mehr verzehrt werden sollten.
Hausmittel #1: CBD/CBDA-Öl*
Eine Studie mit Pferden und chronischer Arthrose macht CBD durchaus interessant: Nach mehrwöchiger Gabe verbesserten sich die erhobenen Schmerzwerte und die Lebensqualität der Pferde [4]. Auch CBDA wurde in einer weiteren Untersuchung bei Pferden mit chronischer Arthrose untersucht und zeigte einen positiven Effekt auf die erfassten Schmerzparameter [5].
Hausmittel #2: Teufelskralle* (Harpagophytum procumbens)
Teufelskralle wird traditionell bei Gelenkbeschwerden und chronischen Schmerzen eingesetzt. Auch beim Pferd gibt es erste Hinweise auf eine mögliche Wirkung. Eine Studie zeigte, dass der enthaltene Wirkstoff Harpagosid nach der Fütterung ins Blut gelangt [6]. Eine ältere Untersuchung berichtete zudem über positive Effekte bei Pferden mit Spat [7].
Hausmittel #3: Ingwer* (Zingiber officinale)
Ingwer wird beim Pferd traditionell vor allem zur Unterstützung bei entzündungsbedingten Beschwerden eingesetzt. Die enthaltenen Gingerole und Shogaole zeigen in Labor- und Zellstudien entzündungshemmende Eigenschaften und wirken dort unter anderem auf die Enzyme Cyclooxygenase und Lipoxygenase, die im Körper an der Bildung von Botenstoffen beteiligt sind, die Entzündungen und Schmerzen steuern. Werden diese Enzyme gebremst, kann das die Weiterleitung von Schmerz- und Entzündungssignalen verringern [16].
Weidenrinde* (Salix) und Mädesüß* (Filipendula ulmaria)
Weidenrinde und Mädesüß zählen zu den traditionsreichsten Salicylat-Pflanzen der Phytotherapie und haben in der Kräuterkunde eine lange Geschichte im Zusammenhang mit Schmerzempfinden und dem Bewegungsapparat.
Die Weidenrinde enthält Salicin, das nach der Aufnahme zu Salicylsäure beziehungsweise entsprechenden Salicylat-Metaboliten umgewandelt wird. Die schmerzlindernde Wirkung von Weidenrindenextrakten wurde beim Menschen unter anderem bei Rückenschmerzen und Arthrose untersucht [8].
Auch Mädesüß ist eine traditionelle Salicylat-Pflanze. Untersuchungen an Ratten und in Zell- und Tiermodellen weisen auf schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften hin [9] [10].
Wann zum Tierarzt?
- Pflanzliche Unterstützung bei der Schmerzlinderung hat ihre Berechtigung, aber nicht bei jedem Schmerz. Besonders bei plötzlich auftretenden oder starken Schmerzen sollte die Ursache möglichst schnell geklärt werden.
- Das gilt beispielsweise bei deutlicher Lahmheit, Verdacht auf Hufrehe oder Hufabszess, Kolikanzeichen, Fieber, starken Abwehrreaktionen oder einer deutlichen Veränderung des Allgemeinverhaltens. Auch bei länger anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Tierarzt die Ursache abklären.
Fazit
Schmerz kann sich beim Pferd sehr unterschiedlich zeigen. Schmerzskalen helfen bei der objektiveren Einschätzung, trotzdem bleibt die genaue Beobachtung des eigenen Pferdes entscheidend. Schmerz ist nur ein Symptom, umso wichtiger ist es die Ursache zu finden. Pflanzliche Mittel wie Weidenrinde oder Teufelskralle können unterstützen, bis die eigentliche Ursache gefunden ist.
🤖 Hinweis: Das Titelbild dieses Artikels wurde mithilfe von KI erstellt (KI-generiertes Bild).