6 Hausmittel für die Darmsanierung beim Pferd: Natürliche Helfer für den Alltag

6 Hausmittel für die Darmsanierung beim Pferd: Natürliche Helfer für den Alltag

Wenn dein Pferd unter Kotwasser, Blähungen oder wiederkehrenden Verdauungsproblemen leidet, kann eine gestörte Darmflora dahinterstecken. Mit diesen 6 Hausmitteln kannst du deinen Vierbeiner unterstützen, um das empfindliche Darmmilieu wieder ins Gleichgewicht zu bringen und langfristig zu stabilisieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Darmsanierung beim Pferd dauert in der Regel 4-8 Wochen und erfordert Geduld
  • Natürliche Hausmittel wie Flohsamenschalen, Leinsamen und Kamille* können die Darmgesundheit schonend unterstützen
  • Die Ursache für Darmprobleme liegt oft in der Fütterung. Achte auf hochwertiges Heu als Basis jeder Darmsanierung
  • Bei anhaltenden oder schweren Symptomen sollte immer ein Tierarzt konsultiert werden

Wie kritisch sind Darmprobleme beim Pferd?

Der Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern beherbergt auch etwa 70% des Immunsystems. Eine gestörte Darmflora kann daher weitreichende Folgen für die gesamte Gesundheit haben und die Gesundheit deines Pferdes direkt beeinflussen.

Kotwasser, Durchfall, wiederkehrende Koliken oder Blähungen sind oft erste Warnsignale für ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darmmilieu. Wird das Problem ignoriert, können chronische Entzündungen, Nährstoffmängel und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte die Folge sein. Besonders gefährlich wird es, wenn zu den Darmproblemen noch Symptome wie Fieber, anhaltende Verweigerung der Futteraufnahme oder starke Unruhe hinzukommen.

Die 3 häufigsten Symptome

Eine gestörte Darmflora zeigt sich beim Pferd nicht immer durch offensichtliche Anzeichen. Oft sind es scheinbar harmlose Veränderungen, die auf ein Ungleichgewicht im Darm hinweisen. Als Pferdebesitzer kannst du jedoch einige typische Warnsignale erkennen und entsprechend handeln.

  • Kotwasser: Das Pferd setzt dünnflüssigen, breiigen Kot ab oder es läuft zusätzlich Wasser aus dem After. Oft geht dies mit einem veränderten Geruch und häufigeren Kotabsetzen einher.
  • Müdigkeit und Schwäche: Dein Pferd wirkt träge und zeigt weniger Leistung als gewöhnlich? Arbeitet das Verdauungssystem nicht wie gewohnt, fehlt häufig auch die Energie im Alltag.
  • Verändertes Fressverhalten: Das Pferd wird wählerisch, lässt Kraftfutter stehen oder frisst insgesamt weniger als gewohnt. Auch vermehrtes Scharren im Trog oder längeres Kauen können Anzeichen sein.

📌 Quick-Tipp: Bei Unsicherheit solltest du lieber einen Tierarzt zu Rate ziehen. 

6 bewährte Hausmittel gegen Darmprobleme

Die  Natur bietet uns wertvolle Helfer für eine sanfte Darmsanierung beim Pferd. Natürliche Hausmittel haben den großen Vorteil, dass sie den Organismus nicht belasten, sondern ihn bei der Selbstheilung unterstützen. Wichtig ist jedoch, dass du dich schrittweise an neue Mittel heran tastest und die richtige Dosierung einhältst. Jedes Pferd reagiert individuell, daher solltest du mit kleinen Mengen beginnen und diese langsam steigern. Besonders bei der langfristigen Anwendung zeigen natürliche Hausmittel ihre beste Wirkung und können das Darmmilieu nachhaltig stabilisieren.

Hausmittel #1: Flohsamenschalen

Flohsamenschalen sind wahre Meister der Darmreinigung und gelten als eines der wirksamsten natürlichen Mittel zur Darmsanierung. Die kleinen Schalen enthalten Schleimstoffe, die im Darm aufquellen und dabei Giftstoffe, überschüssige Säuren und Bakterienreste binden. Gleichzeitig legen sie sich wie ein Schutzfilm über die gereizte Darmschleimhaut und unterstützen deren Heilung. [1] Das macht Flohsamenschalen besonders wertvoll bei Kotwasser und entzündlichen Darmerkrankungen.

Anwendung: 3-5 Esslöffel für ein 500kg-Pferd täglich in lauwarmem Wasser 10 Minuten quellen lassen, dann verfüttern. Immer ausreichend Wasser anbieten.

Hausmittel #2: Leinsamen (geschrotet)

Leinsamen sind seit Jahrhunderten bewährt bei Magen-Darm-Problemen und besonders wertvoll für gereizte Schleimhäute. Die goldenen Samen enthalten reichlich Schleimstoffe, die im Verdauungstrakt aufquellen und einen beruhigenden Schutzfilm bilden. Omega-3-Fettsäuren wirken zusätzlich entzündungshemmend und unterstützen die Regeneration der Darmwand. [2] Bei Kotwasser und chronischen Darmentzündungen ist Leinsamen daher ein unverzichtbarer Helfer.

Anwendung: 100-150g geschrotete Leinsamen täglich mit warmem Wasser anfeuchten und ins Futter mischen. Immer frisch schroten und nicht länger als 8 Wochen am Stück füttern.

Hausmittel #3: Bierhefe

Bierhefe ist ein natürliches Präbiotikum, das die gesunden Darmbakterien mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Sie enthält alle B-Vitamine sowie Aminosäuren und Spurenelemente. Die abgetöteten Hefezellen dienen den guten Bakterien als Nahrung und fördern deren Vermehrung. Gleichzeitig kann Bierhefe den pH-Wert im Darm stabilisieren und Fehlgärungen entgegenwirken. [3]

Anwendung: 150-200g täglich über 6 Wochen kurweise füttern, dann pausieren. Niemals lebende Bierhefe oder Hefewürfel verwenden, da diese zu Fehlgärungen führen können.

Hausmittel #4: Kamille*

Die sanfte Kamille ist ein Klassiker bei Verdauungsproblemen und wirkt beruhigend auf die gesamte Magen-Darm-Region. [4] [5] Ihre ätherischen Öle und Flavonoide haben entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften, die besonders bei Blähungen und Bauchschmerzen hilfreich sind. Kamille unterstützt außerdem die Schleimhautregeneration und kann bei regelmäßiger Anwendung das Darmmilieu stabilisieren.

Anwendung: 2-3 Esslöffel getrocknete Kamillenblüten als Tee aufbrühen, abkühlen lassen und über das Futter gießen. Alternativ direkt 1-2 Esslöffel ins Futter mischen.

Hausmittel #5: Fenchel*

Fenchel ist bekannt für seine verdauungsfördernden und blähungshemmenden Eigenschaften. Die ätherischen Öle Anethol und Fenchon entspannen die Darmmuskulatur und können schmerzhafte Krämpfe lösen. Gleichzeitig regt Fenchel die Produktion von Verdauungssäften an und unterstützt so eine optimale Nährstoffaufnahme. Bei Pferden mit empfindlichem Magen ist Fenchel besonders wertvoll. [6]

Anwendung: 20-30g ganze Fenchelsamen täglich mörsern und ins Futter geben. Als Tee zubereitet kann er auch bei akuten Blähungen helfen.

Hausmittel #6: Zeolith

Zeolith ist ein natürliches Vulkangestein mit außergewöhnlichen Bindungseigenschaften. Es kann Schwermetalle, Toxine und überschüssige Säuren im Darm binden und deren Ausscheidung fördern. [7] Dadurch entlastet Zeolith die Darmwand und schafft ein günstiges Milieu für gesunde Bakterien. Besonders nach Wurmkuren oder Antibiotika-Gaben kann Zeolith die Darmregeneration unterstützen.

Anwendung: 30g täglich für ein 500kg-Pferd über 2-3 Wochen, immer 2 Stunden Abstand zu anderen Futtermitteln einhalten. Niemals zusammen mit Medikamenten geben.

📌 Achtung: *Mit Stern markierte Hausmittel können als Dopingmittel eingestuft werden und sollten daher mind. 48h vor einem Turnier nicht mehr verabreicht werden

Die sanfte Kraft natürlicher Darmsanierung

Natürliche Hausmittel bieten einen schonenden Weg zur Darmsanierung, der den Organismus nicht zusätzlich belastet. Im Gegensatz zu chemischen Präparaten arbeiten pflanzliche Helfer im Einklang mit den körpereigenen Heilkräften und unterstützen die natürlichen Regenerationsprozesse.

Sie sind häufig auch deutlich kostengünstiger als ständige Tierarztbesuche und können langfristig zur Gesunderhaltung beitragen. Der große Vorteil liegt zudem darin, dass die Mittel meist gut verträglich sind und das Risiko von Nebenwirkungen minimal ist.

📌 Quick-Tipp: Besonders bei langfristiger Anwendung kommt die volle Kraft natürlicher Hausmittel zum Tragen. Geduld wird mit nachhaltigen Erfolgen belohnt!

Vorbeugen ist besser als behandeln (5 Präventions-Tipps)

Eine erfolgreiche Vorbeugung von Darmproblemen ist deutlich einfacher und kostengünstiger als die Behandlung bereits manifestierter Störungen. Durch konsequente Präventionsmaßnahmen kannst du das Risiko für Darmprobleme erheblich reduzieren und so das Wohlbefinden deines Pferde steigern.

  1. Hochwertiges Heu als Basis: Nur einwandfreies, staubfreies Heu füttern und mindestens 1,5kg pro 100kg Körpergewicht täglich anbieten. Qualität geht vor Quantität. Schlechtes Heu ist der häufigste Auslöser für Darmprobleme.
  2. Futterumstellungen langsam durchführen: Neue Futtermittel über mindestens 10-14 Tage schrittweise einführen, damit sich die Darmflora anpassen kann. Abrupte Wechsel bringen das empfindliche Darmmilieu meist aus dem Gleichgewicht.
  3. Regelmäßige Fütterungszeiten einhalten: Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt sind besser als wenige große Mahlzeiten. Ein gleichmäßiger Rhythmus unterstützt die Darmfunktion und reduziert Stress.
  4. Kraftfutter reduzieren: Weniger ist oft mehr. Zu viel Getreide und zucker- oder stärkereiche Müslis können die Darmflora nachhaltig schädigen. Besser auf rohfaserreiche Alternativen setzen.
  5. Stress minimieren: Stallwechsel, Transport oder Herdenwechsel belasten das Nervensystem deines Pferdes und somit auch den Darm. In stressigen Phasen präventiv mit beruhigenden Kräutern wie Kamille unterstützen und häufige Wechsel in der Alltagsroutine vermeiden.

Wann ein Tierarzt nötig ist

Auch wenn natürliche Hausmittel sehr wirksam sind, gibt es Situationen, in denen professionelle tierärztliche Hilfe unumgänglich ist. Zögere nie, einen Experten hinzuzuziehen, wenn du dir unsicher bist oder sich der Zustand deines Pferdes verschlechtert. Bei folgenden Symptomen solltest du umgehend handeln:

  • Kolik-Anzeichen wie starke Unruhe, Wälzen oder Schwitzen
  • Hohes Fieber über 39°C in Verbindung mit Darmproblemen
  • Komplette Futterverweigerung über mehr als 24 Stunden
  • Blut im Kot oder schwarzer, teerartiger Kot
  • Starke Dehydration mit eingefallenen Augen und verlängerter Hautfalte

Fazit

Eine sanfte Darmsanierung mit bewährten Hausmitteln kann deinem Pferd zu einer stabilen Verdauung und verbessertem Wohlbefinden verhelfen. Die vorgestellten natürlichen Helfer sind schonend, kostengünstig und bei richtiger Anwendung langfristig wirksam. Wichtig ist jedoch, dass du Geduld mitbringst und bei ernsteren Problemen rechtzeitig einen Tierarzt konsultierst. Mit der richtigen Kombination aus natürlicher Unterstützung und professioneller Betreuung legst du den Grundstein für eine dauerhafte Darmgesundheit.

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Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Darmsanierung beim Pferd?

Eine erfolgreiche Darmsanierung benötigt meist 4-8 Wochen, wobei erste Verbesserungen oft schon nach 2-3 Wochen sichtbar werden. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg, da sich die Darmflora nur langsam regeneriert.

Können mehrere Hausmittel gleichzeitig gegeben werden?

Grundsätzlich ja, aber mit Bedacht. Beginne mit einem Mittel und füge nach einer Woche weitere hinzu. Zeolith sollte immer separat mit 2 Stunden Abstand gefüttert werden, da es andere Wirkstoffe binden kann.

Was tun, wenn das Pferd die Hausmittel nicht frisst?

Beginne mit sehr kleinen Mengen und mische sie unter das gewohnte Futter. Anschließend kannst du schrittweise die Menge steigern, um dein Pferd langsam daran gewöhnen zu lassen.

Sind Hausmittel auch für tragende Stuten geeignet?

Die meisten hier vorgestellten Hausmittel sind auch für tragende Stuten geeignet. Dennoch solltest du dies vorher mit deinem Tierarzt besprechen. Besonders bei Kräutern ist Vorsicht geboten, da einige wehenfördernd wirken können.

Disclaimer

Die in diesem Artikel vorgestellten Hausmittel, Kräuter und Empfehlungen basieren auf praktischen Erfahrungen und traditionellem Wissen. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen solltest du immer einen Tierarzt konsultieren. Jedes Pferd reagiert individuell auf Behandlungen, daher können die genannten Mittel unterschiedlich wirken. Die Anwendung der Hausmittel erfolgt auf eigene Verantwortung.

*Die markierten Pflanzen fallen unter doping-relevante Substanzen und sollten daher mind. 48 Stunden vor einem Turnier nicht verfüttert werden.

Kristin Trabandt

Kristin Trabandt

Versiert mit Ernährung für Pferde

Kristin Trabandt arbeitet bei Dr. Pandalis und ist langjährig versiert mit der Ernährung bei Pferden, insbesondere im Bereich pflanzlicher Wirkstoffe wie Cistus incanus. Mit ihrer Erfahrung verbindet sie traditionelles Wissen mit moderner Pferdeernährung.

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Quellen

  1. Hu D, Liu W, Yu W, Huang L, Ji C, Liu X, Lu Z. Psyllium seed husk regulates the gut microbiota and improves mucosal barrier injury in the colon to attenuate renal injury in 5/6 nephrectomy rats. Ren Fail. 2023 Dec;45(1):2197076. doi: 10.1080/0886022X.2023.2197076. PMID: 37017261; PMCID: PMC10078125.
  2. Xu Z, Chen W, Deng Q, Huang Q, Wang X, Yang C, Huang F. Flaxseed oligosaccharides alleviate DSS-induced colitis through modulation of gut microbiota and repair of the intestinal barrier in mice. Food Funct. 2020 Sep 23;11(9):8077-8088. doi: 10.1039/d0fo01105c. PMID: 32856645. 
  3. Röttger, S. & Zentek, J. (2009): Über die Bedeutung von Lebendhefen in der Fütterungspraxis des Pferdes. Wien. Tierärztliche Monatsschrift – Veterinary Medicine Austria, 96: 167–170. 
  4. Cemek M, Yilmaz E, Büyükokuroğlu ME. Protective effect of Matricaria chamomilla on ethanol-induced acute gastric mucosal injury in rats. Pharm Biol. 2010 Jul;48(7):757-63. doi: 10.3109/13880200903296147. PMID: 20645773.
  5. Mehmood MH, Munir S, Khalid UA, Asrar M, Gilani AH. Antidiarrhoeal, antisecretory and antispasmodic activities of Matricaria chamomilla are mediated predominantly through K(+)-channels activation. BMC Complement Altern Med. 2015 Mar 24;15:75. doi: 10.1186/s12906-015-0595-6. PMID: 25886126; PMCID: PMC4410481. 
  6. Liebisch, V. (2008): Phytotherapie bei Erkrankungen des Verdauungstraktes des Pferdes – einst und jetzt: alte Indikationen neu bewertet. Diplomarbeit zur Erlangung des Titels Diplom-Tierärztin, Veterinärmedizinische Universität Wien, Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen, Institut für Angewandte Botanik und Pharmakognosie. Betreuer: Ao. Univ.-Prof. Dr. Karin Zitterl-Eglseer, 1. Begutachterin: Ao. Univ.-Prof. Dr. Christine Iben, Wien, Mai 2008.
  7. Kurtdede E, Kurtdede A, Yasa Duru S, Duru Ö, Kara E, Aluç Y, Kaya U. Effects of clinoptilolite on heavy metal levels in milk, proinflammatory cytokine responses (IL-1β and IL-6) and oxidative stress in dairy cows. Acta Vet Hung. 2022 Nov 8;70(4):313-320. doi: 10.1556/004.2022.00035. PMID: 36350569.