6 Kräuter für den Stoffwechsel deines Pferdes

6 Kräuter für den Stoffwechsel deines Pferdes

Wenn dein Pferd beim Fellwechsel Probleme hat, schnell müde wird oder einfach nicht mehr die gewohnte Vitalität zeigt, könnte ein träger Stoffwechsel dahinterstecken. Mit den richtigen Kräutern kannst du den Stoffwechsel deines Pferdes auf natürliche Weise ankurbeln und nachhaltig von innen unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Stoffwechsel des Pferdes ist ein komplexes System, beeinflusst durch die Gesundheit verschiedener Organe wie der Leber, Nieren und des Verdauungstraktes
  • Ausbleibende Behandlung der Symptome kann zu Folgekrankheiten führen
  • Eine gezielte Kräuterfütterung kann Fellwechsel, Immunsystem und die allgemeine Vitalität deutlich verbessern
  • Natürliche Stoffwechselkräuter wirken sanft und nachhaltig 

Wie kritisch sind Stoffwechselprobleme?

Stoffwechselprobleme bei Pferden zeigen oft an, dass wichtige Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht geraten sind. Ein funktionierender Stoffwechsel ist essentiell für die Verwertung von Nährstoffen, die Ausscheidung von Toxinen und die Regeneration des gesamten Organismus. Wird das Problem ignoriert, können sich ernsthafte Folgeerkrankungen wie Hufrehe, Lebererkrankungen oder chronische Entzündungen entwickeln.

Besonders kritisch wird es, wenn neben erhöhten Leberwerten im Blutbild auch Symptome wie Appetitlosigkeit, deutliche Leistungsminderung oder wiederkehrende Koliken auftreten. Bei zusätzlichen Anzeichen wie starkem Gewichtsverlust, Gelbfärbung der Schleimhäute oder anhaltendem Durchfall ist höchste Vorsicht geboten und stellt einen Fall für den Tierarzt dar. 

Die 3 häufigsten Ursachen

Probleme mit dem Stoffwechsel können vielfältig sein. Im Fokus stehen dabei häufig die Entgiftungsorgane Leber und Nieren sowie der Verdauungstrakt, da diese maßgeblich den Stoffwechsel beeinflussen. Häufig sind wenige Ursachen ausschlaggebend für einen geschwächten Stoffwechsel. Dazu gehören vor allem:

  • Futterqualität und Ernährung: Minderwertiges Kraftfutter, zu hoher Zucker- und Stärkeanteil oder einseitige Fütterung belasten Leber und Verdauungstrakt erheblich. Typische Anzeichen sind Verdauungsprobleme und schlechtes Hufwachstum.
  • Umweltbelastungen und Stress: Stallwechsel, intensive Trainingsperioden oder Schadstoffbelastungen durch auf der Weide genutzte Pestizide überfordern die Entgiftungsorgane. Das zeigt sich oft durch mattes Fell und erhöhte Infektanfälligkeit.
  • Medikamente und Behandlungen: Häufige Wurmkuren, Antibiotika oder andere Medikamente können die natürliche Darmflora und Leberfunktion beeinträchtigen. Betroffene Pferde leiden oft unter gestörter Verdauung und verlangsamter Regeneration.

6 bewährte Kräuter für den Pferdestoffwechsel

Die Kraft der Natur bietet eine wirkungsvolle Alternative zu chemischen Präparaten und arbeitet sanft mit dem Organismus deines Pferdes zusammen. Bewährte Stoffwechselkräuter unterstützen die körpereigenen Funktionen nachhaltig und helfen dabei, das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Die richtige Anwendung und Dosierung einer Kräutermischung ist dabei entscheidend für den Erfolg.

Kräuter #1: Cystus (Zistrose)

Cistus incanus ist ein wahres Kraftpaket für den Haut- und Fellstoffwechsel deines Pferdes. Die in der Zistrose enthaltenen Polyphenole wirken antioxidativ und schützen den Organismus vor freien Radikalen. [1] 

Anwendung: 20-30 g getrocknetes Cystus-Granulat täglich als Ergänzungsfuttermittel untermischen, über 4-6 Wochen kontinuierlich füttern. Cystus entfaltet seine Wirkung am besten, wenn es regelmäßig und nicht nur kurweise gefüttert wird.

Kräuter #2: Mariendistel

Die Mariendistel gilt als Königin der Leberkräuter. Ihr Wirkstoff Silymarin regeneriert geschädigte Leberzellen nachweislich. Sie stimuliert die Gallenproduktion und verbessert dadurch die Fettverdauung erheblich. Sie zählt zu den stärksten Kräutern zur Unterstützung der Stoffwechselfunktionen und der Regeneration der Leber. [2]

Anwendung: 15-25 g gemahlene Mariendistelsamen täglich, am besten über 8-12 Wochen als Kur verabreichen.

Kräuter #3: Löwenzahn

Löwenzahnkraut wirkt als natürlicher Entgifter und unterstützt sowohl Leber als auch Nieren bei ihrer Arbeit. Die enthaltenen Bitterstoffe regen die Verdauung an und fördern die Ausscheidung von Abbauprodukten des Stoffwechsels. Gleichzeitig liefert Löwenzahn wertvolle Vitamine und Mineralien für den gesamten Organismus. [3] 

Anwendung: 30-50 g frisches oder 10-15 g getrocknetes Löwenzahnkraut täglich, idealerweise in zwei Portionen aufteilen.

Kräuter #4: Brennnessel

Brennnesselkraut ist reich an Eisen, Vitaminen und Mineralien und unterstützt die Blutreinigung auf natürliche Weise. Es fördert die Durchblutung der Entgiftungsorgane und hilft dabei, angesammelte Toxine effektiv auszuscheiden. Zusätzlich stärkt die Brennnessel das Immunsystem und verbessert die allgemeine Vitalität. [4] [5]

Anwendung: 40-60 g getrocknetes Brennnesselkraut täglich, über 6-8 Wochen kontinuierlich füttern. 

Achtung: Brennnesselkraut sollte mind. 48 Stunden vor einem Turnier nicht mehr verfüttert werden. 

Kräuter #5: Artischocke

Artischockenblätter enthalten wertvolle Bitterstoffe, die den Leberstoffwechsel anregen und die Gallenproduktion fördern. Dabei können Artischocken mit ihren antioxidativen und antientzündlichen sowie chelatbildenden Eigenschaften einer möglichen Lebervergiftung entgegenwirken. [6] Daneben wirkt Artischocke besonders gut bei träger Verdauung und Problemen mit der Fettverwertung.

Anwendung: 20-30 g getrocknete Artischockenblätter täglich, am besten 30 Minuten vor der Hauptmahlzeit verabreichen.

Kräuter #6: Birkenblätter

Birkenblätter wirken harntreibend [7] und unterstützen die Nieren bei der Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten. Sie fördern die Spülung der Harnwege und helfen dabei, eingelagerte Salze und Säuren zu eliminieren. Besonders während des Fellwechsels oder bei erhöhter Trainingsbelastung sind Birkenblätter eine wertvolle Unterstützung.

Anwendung: 25-35 g getrocknete Birkenblätter täglich, über 4-6 Wochen als Entgiftungskur einsetzen.

Warum natürliche Mittel oft nachhaltiger wirken

Natürliche Kräuter arbeiten im Einklang mit den körpereigenen Stoffwechselvorgängen. Sie unterstützen die Selbstheilungskräfte des Organismus, anstatt sie zu überlasten. Werden Kräuter kombiniert, die sich gegenseitig ergänzen, kann eine bestmögliche Wirkung erzielt werden. Natürliche Stoffwechselkräuter belasten den ohnehin geschwächten Organismus nicht zusätzlich mit Nebenwirkungen oder synthetischen Zusatzstoffen. Langfristig stärken sie die körpereigenen Entgiftungs- und Regenerationsmechanismen, sodass dein Pferd widerstandsfähiger gegen zukünftige Belastungen wird.

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Vorbeugen ist besser als behandeln (5 Präventions-Tipps)

Ein gesunder Stoffwechsel ist die Grundlage für die Vitalität und Leistungsfähigkeit deines Pferdes. Mit gezielten Maßnahmen kannst du bereits im Vorfeld dafür sorgen, dass Stoffwechselprobleme gar nicht erst entstehen. Hochwertige Futterqualität sicherstellen: Investiere in qualitativ hochwertiges Heu und Kraftfutter ohne unnötige Zusatzstoffe. Kontrolliere regelmäßig den Nährstoffgehalt und passe die Rationen an Alter, Gewicht und Arbeitsleistung deines Pferdes an.

  1. Regelmäßige Fütterungszeiten einhalten: Füttere dein Pferd immer zu denselben Zeiten und in kleinen Portionen, um den Verdauungstrakt nicht zu überlasten. Das stabilisiert den Blutzuckerspiegel und entlastet die Leber. Füge außerdem Kräuter wie Cistus incanus oder Brennnessel hinzu, um aktiv das Immunsystem zu unterstützen.
  2. Ausreichend Bewegung gewährleisten: Sorge für täglich mindestens 2 Stunden freie Bewegung, da dies die Durchblutung aller Organe fördert und den Stoffwechsel aktiv hält.
  3. Stress minimieren und Entspannung fördern: Vermeide häufige Stallwechsel und schaffe eine ruhige, stabile Umgebung. Stress belastet die Nebennieren und kann zu hormonellen Ungleichgewichten führen, die den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigen.
  4. Präventive Kräuterkuren durchführen: Integriere zwei- bis dreimal jährlich eine 4-6-wöchige Kur mit Stoffwechsel-unterstützenden Kräutern in den Fütterungsplan. Das hält die Entgiftungsorgane aktiv und beugt Ablagerungen vor.

Wann ein Tierarzt nötig ist

Obwohl natürliche Kräuter bei vielen Stoffwechselproblemen hervorragend helfen, gibt es Situationen, in denen professionelle tierärztliche Hilfe unerlässlich ist. Eine frühzeitige Diagnose kann schwerwiegende Folgeerkrankungen verhindern und den Behandlungserfolg erheblich verbessern.

Einige Warnsignale, die sofortige tierärztliche Hilfe erfordern:

  • Deutliche Gelbfärbung der Schleimhäute
  • Anhaltende Appetitlosigkeit über mehrere Tage
  • Starker Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache
  • Wiederkehrende Koliken oder Durchfall
  • Extreme Mattigkeit und Teilnahmslosigkeit
  • Schwellungen an Beinen oder Bauch
  • Fieber über 39°C
  • Auffällige Veränderungen im Harnabsatz

Eine tierärztliche Untersuchung kann durch Blutbilder Aufschluss über Leberwerte, Nierenfunktion und andere wichtige Parameter geben. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Ultraschall verborgene Probleme der Entgiftungsorgane aufdecken, die mit natürlichen Mitteln allein nicht behandelbar sind.

Fazit

Stoffwechselprobleme bei Pferden sind ernst zu nehmen, aber in vielen Fällen können natürliche Kräuter bereits Abhilfe schaffen. Die Kraft von Mariendistel, Löwenzahn, Brennnessel und anderen bewährten Heilpflanzen unterstützt den Organismus auf sanfte Weise, sein natürliches Gleichgewicht wiederzufinden. Mit der richtigen Kombination aus hochwertiger Fütterung, gezielter Zufütterung passender Kräuter und ausreichend Bewegung legst du den Grundstein für einen gesunden und leistungsfähigen Stoffwechsel.

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Häufig gestellte Fragen

Was hilft am besten gegen Stoffwechselprobleme beim Pferd?

Die wirksamsten natürlichen Helfer sind Mariendistel für die Leberregeneration, Löwenzahn für die Entgiftung und Cistus incanus zur Unterstützung des Haut- und Fellstoffwechsels sowie Magen-Darm-Empfindlichkeiten. Wichtig ist dabei, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern auch die Ursachen wie schlechte Futterqualität oder Stress zu beseitigen. Bei anhaltenden oder schweren Problemen ist eine tierärztliche Untersuchung unumgänglich.

Kann ich verschiedene Kräuter mischen?

Eine Mischung verschiedener Kräuter ist meist kein Problem, da sie sich als natürliche Hilfsmittel nicht gegenseitig behindern. Jedoch solltest du neue Stoffwechsel-Kräuter immer schrittweise in die Ernährung integrieren, damit sich die Verdauung des Pferdes daran gewöhnen kann. 

Welche weiteren natürlichen Hilfsmittel können hilfreich sein?

Zusätzlich zu den Hauptkräutern unterstützt Schafgarbe* die Verdauung, Weidenrinde* wirkt entzündungshemmend und Ginkgoblätter fördern die Durchblutung. Wichtige Mineralstoffe wie Zink und Natrium ergänzen die Kräuterwirkung optimal, während hochwertige Öle die Aufnahme fettlöslicher Vitamine verbessern. Eine ausgewogene Kombination aus Kräutern, Mineralien und Ölen bietet die beste Lösung, um den Stoffwechsel deines Pferdes zu unterstützen.

Disclaimer

Die in diesem Artikel vorgestellten Hausmittel, Kräuter und Empfehlungen basieren auf praktischen Erfahrungen und traditionellem Wissen. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen solltest du immer einen Tierarzt konsultieren. Jedes Pferd reagiert individuell auf Behandlungen, daher können die genannten Mittel unterschiedlich wirken. Die Anwendung der Hausmittel erfolgt auf eigene Verantwortung.

*Die markierten Pflanzen fallen unter doping-relevante Substanzen und sollten daher mind. 48 Stunden vor einem Turnier nicht verfüttert werden.

Kristin Trabandt

Kristin Trabandt

Versiert mit Ernährung für Pferde

Kristin Trabandt arbeitet bei Dr. Pandalis und ist langjährig versiert mit der Ernährung bei Pferden, insbesondere im Bereich pflanzlicher Wirkstoffe wie Cistus incanus. Mit ihrer Erfahrung verbindet sie traditionelles Wissen mit moderner Pferdeernährung.

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Quellen

1 Gündling P. W. Cistus×incanus L. – eine potente Heilpflanze zur Prävention auf vielen Ebenen. Zeitschrift für Phytotherapie 2024; 45(03): 104-109. DOI: 10.1055/a-2315-5117

2 Liu H, Liu T, Zeng J, Fang Q. Silymarin induces multiple myeloma cell apoptosis by inhibiting the JAK2/STAT3 signaling pathway. Oncol Lett. 2025 Jul 4;30(3):426. doi: 10.3892/ol.2025.15172. PMID: 40688586; PMCID: PMC12273804.

3 Tanasa Acretei MV, Negreanu-Pirjol T, Olariu L, Negreanu-Pirjol BS, Lepadatu AC, Anghel Cireasa L, Rosoiu N. Bioactive Compounds from Vegetal Organs of Taraxacum Species (Dandelion) with Biomedical Applications: A Review. Int J Mol Sci. 2025 Jan 7;26(2):450. doi: 10.3390/ijms26020450. PMID: 39859166; PMCID: PMC11764760.

4 Muceniece R, Revina BL, Kviesis J, Jansons A, Kopiks K, Jekabsons K, Saleniece K, Namniece J, Grigale-Sorocina Z, Jansone B. Nettle Leaf Water Extracts for Hepatoprotection: Insights into Bioactivity and Mitochondrial Function. Plants (Basel). 2025 Mar 21;14(7):992. doi: 10.3390/plants14070992. PMID: 40219059; PMCID: PMC11990370.

5 Zhang Q, Ta N, Zhang J, Liu X, Ding H, Zhang X. Nettle supplementation improves antioxidant status and modulates inflammatory response by altering lysophosphatidylcholines and enterolactone metabolism in dairy cows. Anim Nutr. 2025 Mar 6;21:279-291. doi: 10.1016/j.aninu.2025.01.006. PMID: 40487092; PMCID: PMC12145696.

6 Deng A, Yi M, Wang Y, Mo P, Huang K, Xie P, Fan S, Xue M, Ding X, Wang Y, Xiao B. Artichoke water extract protects against Lead-induced hepatotoxicity by activating Nrf2 signaling and inhibiting NLRP3/caspase-1/GSDMD-mediated pyroptosis. J Ethnopharmacol. 2025 Apr 25;346:119654. doi: 10.1016/j.jep.2025.119654. Epub 2025 Mar 18. PMID: 40113111.

7 Utz S et al. Phytotherapeutische Optionen zur Behandlung … Zeitschrift für Phytotherapie 2023; 44: 250–256