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Das Wichtigste in Kürze
- Als „Senior“ gilt ein Pferd je nach Gesundheitszustand ab etwa 15 bis 20 Jahren, wobei körperliche Anzeichen wichtiger sind als das Geburtsjahr
- Ältere Pferde werden mit zunehmendem Alter anfälliger für chronische Entzündungen (Inflamm-Aging), die Muskelabbau begünstigen
- Etwa 21 Prozent aller Pferde ab 15 Jahren leiden an PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction oder auch Equines Cushing-Syndrom), wobei die Erkrankung oft lange unerkannt bleibt [1]
- Zahnprobleme sind bei Pferden über 20 Jahren nahezu universell und führen zu ineffizientem Kauen, Gewichtsverlust und Nährstoffmangel
- Arthrose und Gelenkverschleiß gehören zu den häufigsten Ursachen für Bewegungseinschränkungen bei älteren Pferden. Die Teufelskralle kann dank des enthaltenen Harpagosid das Pferd natürlich unterstützen [2]
- Eine an die nachlassende Verdauungsleistung angepasste Fütterung mit hochwertigem Protein und Antioxidantien kann Muskelabbau und Zellalterung verlangsamen
Ab wann ist ein Pferd ein Senior?
Die Frage lässt sich nicht allein am Alter festmachen. Ein gut gepflegter Warmblüter mit 18 Jahren kann körperlich fitter sein als ein vernachlässigtes Pony mit 14. Als praktische Faustregel gilt: Ein Pferd beginnt seine Seniorenphase, wenn es trotz bislang ausreichender Fütterung an Körperkondition verliert und keine andere Ursache dafür gefunden wird [3].
Konkrete Zeichen, die auf altersbedingte Veränderungen hinweisen:
- Verlust der Oberlinie: Die Muskulatur entlang der Wirbelsäule nimmt ab, der Rücken wirkt hohl
- Langsames Kauen oder Quidding: Heubissen (feuchte Knäuel) fallen aus dem Maul
- Morgendliche Steifheit, die erst nach dem Aufwärmen zurückgeht
- Schlechteres Fell trotz veränderter Fütterung
- Gewichtsverlust trotz ausreichender Futtermengen
Sobald du eines dieser Anzeichen bemerkst, lohnt sich ein genauer Blick auf die drei wichtigsten Bereiche beim alternden Pferd: Zähne, Gelenke und Fütterung.
1. Zähne beim Seniorenpferd: die unterschätzte Ursache für Gewichtsverlust
Pferde sind evolutionär darauf ausgelegt, ihr Leben lang große Mengen Raufutter zu fressen. Deshalb wachsen ihre Zähne kontinuierlich nach, etwa 2 bis 3 Millimeter pro Jahr. In jungen Jahren befindet sich ein großer Teil der Zahnsubstanz noch im Kiefer. Mit zunehmendem Alter tritt dieser Vorrat jedoch immer weiter hervor und wird nach und nach abgenutzt.
Das Problem: Die verfügbare Zahnsubstanz ist begrenzt. Ab etwa dem 20. Lebensjahr können die Backenzähne so stark abgenutzt oder verändert sein, dass das Futter nicht mehr ausreichend zerkleinert wird [4]. Kann ein Pferd Heu nicht mehr gründlich kauen, gelangen größere Futterpartikel in den Verdauungstrakt. Diese werden im Darm schlechter verwertet, wodurch die Nährstoffausbeute sinkt. Gleichzeitig steigt das Risiko für Schlundverstopfungen und Koliken [5].
Warnsignale für Zahnprobleme:
- Heubissen fallen aus dem Maul
- Langsames Fressen oder Futter im Tränkeeimer eintunken
- Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- Kopfschiefhaltung beim Kauen
- Unangenehmer Geruch aus dem Maul
Die Zahnkontrolle sollte jährlich stattfinden, oder bei Senioren idealerweise alle sechs Monate, um die Gesundheit deines Pferdes nachhaltig zu unterstützen [5].
Praktische Anpassungen bei Zahnproblemen:
- Heu durch eingeweichte Heucobs oder Heupellets ersetzen
- Kraftfutter als Brei anrühren (einweichen, bis eine weiche Maische entsteht)
- Raufutter in häufigeren, kleineren Portionen anbieten
- Wenn nötig: Auf ein Seniorenvollkraftfutter mit mindestens 12 bis 14 Prozent hochwertigem Rohprotein und erhöhtem Fettanteil wechseln [5]
2. Gelenke: Was im Alter im Knorpel passiert
Arthrose kommt bei älteren Pferden gehäuft vor. Mit jedem Lebensjahr summieren sich mikroskopisch kleine Knorpelschäden auf, die das Gelenk anfälliger für Entzündungen machen. Der Knorpel verliert an Dicke, die Gelenkflüssigkeit wird weniger zähflüssig, und der Knochen darunter beginnt sich umzubauen.
Was viele nicht wissen: Auch die Bewegung selbst ist Therapie. Regelmäßige, altersgerechte Belastung fördert die Durchblutung des Gelenks und die Produktion von Gelenkflüssigkeit. Ein Senior, der täglich 20 bis 30 Minuten gleichmäßig bewegt wird, hat langfristig bessere Gelenke als ein Pferd, das dauerhaft im Stall steht. Weidehaltung mit der Möglichkeit sich frei zu bewegen, wirkt sich positiv auf die Gelenkbeweglichkeit aus [6].
Teufelskralle: Vom Volksglauben zur belegten Pharmakologie
Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) wird seit Jahrzehnten bei Pferden mit Gelenkproblemen eingesetzt. Lange Zeit fehlten jedoch spezifische pharmakologische Daten für das Pferd. Eine Studie konnte inzwischen zeigen, dass der Inhaltsstoff Harpagosid nach oraler Gabe im Pferdeplasma nachweisbar ist, gut vertragen wird und keine klinisch relevanten Nebenwirkungen verursacht [2]. Harpagosid ist im Blut bis zu neun Stunden nach der Gabe messbar, was eine Anwendung einmal täglich praktikabel macht.
Der Extrakt hemmt die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe und wirkt dadurch schmerzlindernd sowie entzündungsmodulierend [7]. Besonders bei älteren Pferden mit degenerativen Gelenkerkrankungen wie Spat, Arthrose oder chronische Lahmheit wird die Teufelskralle traditionell unterstützend eingesetzt. Die aktuelle Forschung liefert nun auch die biochemische Erklärung dafür, warum dieser Einsatz sinnvoll sein kann.
Wichtig: Teufelskralle enthält dopingrelevante Substanzen und darf im Turniersport mindestens 4 Tage vor dem Wettkampf nicht mehr verfüttert werden.*
Anwendungshinweis: Je nach Gehalt an Harpagosid werden für ein Pferd (ca. 600 kg) 10 bis 40 g getrocknetes Teufelskrallenpulver täglich empfohlen. Hochwertige Produkte mit mind. 1,9 % Harpagosid kommen mit der niedrigeren Menge aus. Entscheidend ist ein Zielwert von etwa 500 bis 1.000 mg Harpagosid pro Tag. Die Gabe sollte kontinuierlich über mehrere Wochen erfolgen, da die volle Wirkung erst nach zwei bis acht Wochen eintritt [2].
Omega-3-Fettsäuren für die Gelenkgesundheit
Auch für die Gelenkgesundheit des alternden Pferdes sind Omega-3-Fettsäuren relevant. Sie bilden die Grundlage für entzündungshemmende Signalmoleküle im Gelenk und können helfen, die Anfälligkeit für chronische Entzündungen älterer Pferde zu dämpfen [8]. Zu bevorzugen sind besonders langkettige Omega-3-Quellen wie Leinöl (reich an ALA) oder Algenöl (reich an DHA).
3. Muskelabbau im Alter: Inflamm-Aging beim Pferd
Ähnlich wie beim alternden Menschen kennt die Pferdeforschung heute das Phänomen des „Inflamm-Aging“: eine chronisch-niedrigschwellige systemische Entzündung, die mit dem Altern einhergeht. Bei Pferden ab 20 Jahren finden sich nachweislich erhöhte Spiegel entzündlicher Botenstoffe im Blutkreislauf, die zur Muskelschwäche und zum Verlust der Oberlinie beitragen können [8].
Das bedeutet praktisch: Muskelabbau beim alten Pferd ist nicht allein eine Frage der Proteinmenge im Futter. Er hängt auch von der Entzündungsbereitschaft des Körpers ab. Wer beides angeht, Entzündung und Eiweißversorgung, hat deutlich bessere Karten.
Protein: Mehr als nur Quantität
Das alternde Pferd braucht nicht einfach mehr Protein, sondern besseres Protein. Entscheidend ist die Aminosäurezusammensetzung, vor allem der Gehalt an essentiellem Lysin, Threonin und Methionin sowie der Aminosäure Leucin, die den Muskelaufbauprozess direkt anstößt. Qualitativ hochwertiges Protein aus Alfalfa, Sojaschrot oder speziellen Seniorenfuttern mit ausgewogenem Aminosäureprofil ist deutlich wirkungsvoller als große Mengen minderwertigen Eiweißes [3]. Die empfohlene Rohproteinmenge liegt je nach Körperzustand bei 12 bis 14 Prozent der Tagesration [5].
Vitamin E und Selen: Schutzschild der Muskelzelle
Gerade im Alter, wenn der Körper insgesamt anfälliger für oxidativen Stress ist, spielt die antioxidative Versorgung eine besondere Rolle. Vitamin E ist das wichtigste fettlösliche Antioxidans in der Zellmembran und schützt Muskelgewebe vor freien Radikalen. Selen ist als Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase ein direkter Gegenspieler der Lipidperoxidation in der Muskelzelle.
Beide Nährstoffe wirken synergistisch: Eine kombinierte Supplementierung erhöhte die Widerstandsfähigkeit der roten Blutkörperchen gegen oxidativen Stress und senkte Lipidperoxidationsmarker bei Pferden messbar [9]. Im Winter und bei mangelndem Weidegang ist die natürliche Vitamin-E-Versorgung über getrocknetes Heu oft unzureichend. Natürliches Vitamin E (d-alpha-Tocopherol) zeigt eine bessere Bioverfügbarkeit als synthetische Formen.
4. PPID: Das häufig übersehene Seniorenproblem
Rund 21 Prozent aller Pferde über 15 Jahren sind von PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) betroffen [1], einer hormonellen Störung der Hirnanhangdrüse, die häufig als „Equines Cushing-Syndrom“ bezeichnet wird. Die Erkrankung schreitet schleichend voran und wird oft erst spät erkannt, weil die frühen Anzeichen unspezifisch sind.
Frühe Warnsignale für PPID:
- Verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel im Frühjahr
- Ungewöhnlich langes oder lockiges Fell
- Zunehmender Muskelverlust trotz ausreichender Fütterung
- Vermehrtes Trinken und Urinieren
- Wiederkehrende Hufreheanfälle
Wenn du mehrere dieser Zeichen beobachtest, sollte ein ACTH-Test beim Tierarzt durchgeführt werden. Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Langzeitprognose erheblich [1].
Fütterungshinweis bei PPID: Zuckerarmes, stärkearmes Futter (NSC unter 12 bis 15 Prozent), kein Weidegang in der Hauptwachstumsphase des Grases (Frühjahr), stattdessen gemähte Grasportionen oder Heufütterung.
Die Zistrose als antioxidativer Begleiter im Alter
Polyphenolreiche Pflanzen gewinnen bei der Versorgung älterer Pferde zunehmend an Bedeutung. Die graubehaarte Zistrose (Cistus incanus) enthält außergewöhnlich hohe Mengen an Ellagitanninen, Quercetin und weiteren Polyphenolen, die die körpereigene Antioxidantienabwehr unterstützen [10]. Gerade vor dem Hintergrund des altersbedingten Inflamm-Aging ist eine zusätzliche Polyphenolversorgung sinnvoll.
Polyphenole können entzündliche Signalwege modulieren, ohne die für Heilungsprozesse notwendigen Entzündungsreaktionen zu unterdrücken. Das macht sie zu einem gut verträglichen Langzeitbegleiter, der den Körper des alten Pferdes auf natürlichem Weg unterstützt [11].
Wann unbedingt zum Tierarzt gehen
Es gibt Situationen, in denen natürliche Unterstützung allein nicht ausreicht und tierärztliche Hilfe zeitnah notwendig ist:
- Starker oder anhaltender Gewichtsverlust trotz optimierter Fütterung
- Lahmheit, die sich nach dem Aufwärmen nicht bessert
- Hufrehesymptome (Zehenfußen, Wärme im Huf, Pulsation an der Fesselbeuge)
- Verdacht auf PPID (verzögerter Fellwechsel, Muskelschwund, Polydipsie/Polyurie)
- Zeichen von Schlundverstopfung (Würgen, Nasenausfluss von Futterbrei)
- Koliksymptome jeglicher Art
- Fieber über 38,5 Grad Celsius
Gerade beim Seniorenpferd, bei dem mehrere Probleme oft gleichzeitig auftreten, ist eine ganzheitliche tierärztliche Untersuchung einmal jährlich sinnvoller als auf akute Symptome zu warten.
Fazit
Ein älteres Pferd gut zu begleiten, bedeutet vor allem, es aufmerksam zu beobachten und Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen. Zähne, Gelenke und Fütterung gehören zu den zentralen Bereichen, in denen kleine Anpassungen große Wirkung haben können. Wer die Ernährung an die veränderten Bedürfnisse anpasst, die Gelenke gezielt unterstützt und Stoffwechselveränderungen wie PPID früh erkennt, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass sein Pferd auch im Alter fit und lebensfroh bleibt.
Die Natur liefert dabei mit Pflanzen wie Teufelskralle, Zistrose und wertvollen Omega-3-Fettsäuren unterstützende Bausteine!
🤖 Hinweis: Das Titelbild dieses Artikels wurde mithilfe von KI erstellt (KI-generiertes Bild).