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Das Wichtigste in Kürze
- Vitamine werden in fettlösliche (A, D, E, K) und wasserlösliche (B, C) Vitamine eingeteilt. Das bestimmt, ob sie gespeichert oder regelmäßig aufgenommen werden müssen.
- Vitamin E zählt zu den besonders relevanten Vitaminen in der Pferdefütterung, da seine Gehalte beim Trocknen von Gras zu Heu deutlich abnehmen können. Dadurch kann bei alleiniger Fütterung von älterem oder vitaminarmem Heu eine Unterversorgung entstehen.
- Viele B-Vitamine sowie Vitamin K und C kann das Pferd teilweise selbst über die Darmflora bilden.
- Fettlösliche Vitamine wie A und D können sich im Körper anreichern. Sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung sind problematisch.
Warum Vitamine sich anders verhalten als Mineralstoffe
Vitamine unterscheiden sich von Mineralstoffen vor allem dadurch, dass sie sich im Körper unterschiedlich verhalten. Fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) werden zusammen mit Nahrungsfetten aufgenommen und in Leber und Fettgewebe gespeichert. Dadurch kann der Körper Reserven anlegen, eine übermäßige Zufuhr kann aber auch zu einer Anreicherung führen. Wasserlösliche Vitamine, also die B-Vitamine und Vitamin C, werden dagegen kaum gespeichert. Überschüsse scheidet der Körper in der Regel über den Urin wieder aus.
Ein weiterer Unterschied ist, dass das Pferd einige Vitamine selbst bilden kann. Mehrere B-Vitamine sowie Vitamin K und Vitamin C entstehen durch die mikrobielle Flora im Dickdarm. Solange die Verdauung gesund ist und ausreichend Rohfaser zur Verfügung steht, wird ein Teil des Bedarfs auf diesem Weg gedeckt [1, 2].
Wie erkennst du einen Vitaminmangel und was kannst du tun?
Die Anzeichen eines Vitaminmangels sind oft unspezifisch und können viele verschiedene Ursachen haben. Deshalb sollte nicht einfach auf Verdacht supplementiert werden. Entscheidend ist zunächst, die Versorgung zu prüfen.
Der erste Schritt bei einem Verdacht auf eine unzureichende Vitamin-E-Versorgung ist immer der Blick auf die gesamte Fütterungssituation. Eine Futteranalyse kann zeigen, wie viel Vitamin E beispielsweise im gelagerten Heu tatsächlich noch enthalten ist und liefert besonders bei reinen Heurationen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Versorgung. Dabei spielen auch Faktoren wie die Verfügbarkeit von frischem Gras, das Alter des Heus und bereits eingesetzte Mineral- oder Ergänzungsfutter eine Rolle.
Eine Blutuntersuchung kann ergänzend sinnvoll sein, wenn ein konkreter Verdacht auf eine Unterversorgung oder eine Erkrankung besteht. Der Alpha-Tocopherol-Wert im Blut gilt als anerkannter Marker zur Einschätzung des aktuellen Vitamin-E-Status. Da es sich dabei jedoch um eine Momentaufnahme handelt, sollte der Wert immer gemeinsam mit Fütterung, Haltung, Trainingszustand und klinischen Symptomen betrachtet werden. Bei Verdacht auf Erkrankungen wie eNAD oder EDM kann die Blutuntersuchung zusammen mit der tierärztlichen Untersuchung wichtige Hinweise liefern [3, 4].
Bei reiner Heufütterung kann eine gezielte Vitamin-E-Ergänzung sinnvoll sein, da hier das Risiko einer Unterversorgung erhöht sein kann. Sichtbare Veränderungen wie nachlassender Fellglanz, eine schlechtere Hufqualität oder neurologische Auffälligkeiten sollten jedoch immer tierärztlich abgeklärt werden. Besonders bei fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A und D ist zudem Vorsicht geboten, da sie im Körper gespeichert werden und eine unnötige zusätzliche Gabe zu einer Überversorgung führen kann.
Die wichtigsten Vitamine im Überblick
Vitamin E: Schutz für Muskeln und Nerven
Vitamin E ist ein wichtiges fettlösliches Antioxidans. Es schützt die Zellen vor aggressiven Sauerstoffverbindungen, die im Stoffwechsel entstehen und Zellen schädigen können. So unterstützt Vitamin E die normale Funktion von Muskeln und Nervenzellen.
Zu einer unzureichenden Vitamin-E-Versorgung kann es außerdem kommen, wenn überwiegend altes Heu oder überlagerter, gequetschter beziehungsweise geschroteter Hafer gefüttert werden. Durch die Lagerung oxidieren die enthaltenen Fette, wodurch auch der Vitamin-E-Gehalt sinkt [1, 2].
Ein Vitamin-E-Mangel betrifft vor allem Gewebe mit hohem Sauerstoffverbrauch, wie Muskeln und Nervenzellen. Vitamin E schützt dort die Zellmembranen vor Schäden durch reaktive Sauerstoffverbindungen. Fehlt dieser Schutz über längere Zeit, können Zellen geschädigt werden und ihre normale Funktion verlieren. Besonders sichtbar wird das an der Muskulatur. Bei gleichzeitigem Selenmangel kann außerdem die Bildung von Antikörpern beeinträchtigt sein [1].
Bei Fohlen kann ein ausgeprägter Vitamin-E-Mangel zur Gelbfettkrankheit führen. Dabei werden ungesättigte Fettsäuren im Fettgewebe durch Oxidation geschädigt. Ein chronischer Mangel kann außerdem neurologische Erkrankungen begünstigen. Bei jungen Pferden mit genetischer Veranlagung kann sich eine Equine neuroaxonale Dystrophie beziehungsweise Equine degenerative Myeloenzephalopathie (eNAD/EDM) entwickeln, bei der Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark geschädigt werden. Bei älteren Pferden kann ein langanhaltender Mangel mit der Equinen Motoneuronerkrankung (EMND) verbunden sein, die zu fortschreitender Muskelschwäche und Muskelabbau führt. Wie bedeutsam eine dauerhaft niedrige Vitamin-E-Versorgung sein kann, zeigte eine kontrollierte Fütterungsstudie der Cornell University: Elf Pferde erhielten über längere Zeit eine Vitamin-E-arme Ration, zehn davon entwickelten innerhalb von bis zu 44 Monaten eine EMND. In einer Kontrollgruppe mit ausreichender Vitamin-E-Versorgung trat kein Fall auf [1, 2, 3].
Wie Pferde ihren Vitamin-E-Bedarf decken können: Die wichtigste natürliche Quelle für Vitamin E ist frisches, grünes Weidegras. Beim Trocknen zu Heu geht jedoch ein großer Teil des Vitamins verloren. Deshalb sind Pferde ohne regelmäßigen Weidegang, insbesondere im Winterhalbjahr, häufig nicht optimal versorgt. Zusätzliche Mengen liefern kaltgepresste Pflanzenöle wie Weizenkeimöl.
Praxis-Tipp: Pferde ohne ganzjährigen Weidezugang profitieren von einer gezielten Vitamin-E-Ergänzung, besonders im Winterhalbjahr. Natürliches RRR-Alpha-Tocopherol wird besser aufgenommen als synthetisches all-rac-Alpha-Tocopherol. Bei Verdacht auf eNAD/EDM oder EMND sollte der Vitamin-E-Status tierärztlich über eine Blutuntersuchung abgeklärt werden.
Vitamin A: wenn die Dämmerung zum Problem wird
Vitamin A spielt vor allem für die Augen, Haut und Schleimhäute eine wichtige Rolle. Dein Pferd nimmt es nicht direkt über das Futter auf, sondern bildet es aus Beta-Carotin, das vor allem in grünem Futter steckt. Im Dünndarm wird Beta-Carotin zu Vitamin A umgewandelt und in der Leber gespeichert. Ein klassisches Anzeichen für einen Mangel ist Nachtblindheit: Pferde sehen bei Dämmerung schlechter. Auch stumpfes, schuppiges Fell und eine erhöhte Infektanfälligkeit können auftreten [1].
Wie Pferde ihren Vitamin-A-Bedarf decken können: Die wichtigste Quelle für Beta-Carotin sind frisches Weidegras und gut gelagertes, junges Heu. Auch Karotten liefern relevante Mengen, während Getreide kaum Beta-Carotin enthält. Ein ausgeprägter Mangel ist bei Pferden allerdings selten, da die Leber Reserven anlegen kann und bereits kleine Mengen grünes Raufutter zur Versorgung beitragen. Da Vitamin A zu den fettlöslichen Vitaminen gehört, wird ein Überschuss gespeichert und nicht einfach ausgeschieden. Eine zusätzliche Gabe sollte deshalb nur gezielt bei einem Mangel erfolgen [1].
Vitamin D: das Sonnenvitamin mit schmaler Sicherheitsspanne
Vitamin D ist vor allem für den Calcium- und Phosphorstoffwechsel und damit für stabile Knochen entscheidend. Anders als beim Menschen trägt die körpereigene Bildung über die Haut beim Pferd jedoch nur begrenzt zur Versorgung bei. Pferde mit Weidegang oder Zugang zu sonnengetrocknetem Heu sind in der Regel ausreichend versorgt. Problematisch kann die Versorgung vor allem dann werden, wenn über längere Zeit ausschließlich künstlich getrocknetes Heu gefüttert wird, bei dessen Herstellung das Gras keiner Sonneneinstrahlung ausgesetzt war. Auch bei Vitamin D gilt: Als fettlösliches Vitamin kann sich ein Überschuss im Körper anreichern, weshalb eine Ergänzung nicht unkritisch erfolgen sollte [1, 2].
Wie Pferde ihren Vitamin-D-Bedarf decken: Eine wichtige Quelle für Vitamin D ist sonnengetrocknetes Raufutter. Während der Sonneneinstrahlung kann die Pflanze Vitamin-D-Vorstufen bilden, die durch UV-Licht entstehen. Zusätzlich kann das Pferd Vitamin D über die eigene Haut unter Einfluss von Sonnenlicht selbst bilden. Pferde mit regelmäßigem Weidegang oder Zugang zu natürlich getrocknetem Heu erhalten dadurch in der Regel eine gute Grundlage für ihre Vitamin-D-Versorgung. Relevant kann eine Unterversorgung vor allem dann werden, wenn über längere Zeit ausschließlich künstlich getrocknetes Heu ohne nennenswerte Sonnenexposition gefüttert wird [1, 2].
Biotin (Vitamin B7): Unterstützung für Huf und Fell
Biotin wird häufig mit gesunden Hufen und glänzendem Fell verbunden. Anders als oft angenommen, ist ein echter ernährungsbedingter Biotinmangel beim Pferd jedoch kaum belegt. Die Dickdarmflora kann Biotin selbst bilden, und auch Pferde mit brüchigem Hufhorn zeigen meist normale Blutwerte [1]. Trotzdem gehört Biotin zu den am besten untersuchten Vitaminen im Bereich der Hufqualität, da eine zusätzliche Gabe über den Grundbedarf hinaus die Hornbildung unterstützen kann.
Wie Pferde ihren Biotin-Bedarf decken können: Neben der Eigenproduktion im Darm liefern auch Futtermittel wie Hafer, Gerste, Sojabohnen und Luzerne Biotin. Besonders interessant ist die Supplementierung bei Pferden mit schlechter Hornqualität: In mehreren Pferdestudien verbesserten sich Hornstruktur und Stabilität nach einer täglichen Biotingabe von etwa 20 bis 30 mg über mehrere Monate. Da Hufhorn nur langsam nachwächst, werden sichtbare Veränderungen frühestens nach sechs bis neun Monaten erwartet. Die Wirkung bleibt zudem nur bestehen, solange Biotin weiter zugefüttert wird [5, 6, 7].
Für ein 500 kg schweres Pferd werden in der Literatur häufig Dosierungen von etwa 15 bis 30 mg Biotin täglich zur Unterstützung der Hufqualität beschrieben [5, 6]. Da Biotin wasserlöslich ist, werden überschüssige Mengen in der Regel über den Urin ausgeschieden.
Thiamin (Vitamin B1): Energie und Nerven
Thiamin spielt eine wichtige Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel und bei der Reizweiterleitung der Nerven. Es gehört zu den wenigen B-Vitaminen, für die beim Pferd ein konkreter Mindestbedarf beschrieben ist [1].
Wie Pferde ihren Thiamin-Bedarf decken können: Die Versorgung erfolgt über verschiedene Quellen: Getreide wie Hafer, Kleie, Bierhefe und grünes Frischfutter liefern Thiamin, zusätzlich kann die Dickdarmflora einen Teil beitragen. Bei normaler Fütterung ist ein Mangel selten. Relevant kann er jedoch bei hoher Belastung, Erkrankungen oder einer gestörten Darmfunktion werden. Mögliche Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Muskelzuckungen und Koordinationsstörungen [1].
Da Thiamin wasserlöslich ist, speichert der Körper nur geringe Mengen. Überschüsse werden über den Urin ausgeschieden, eine Überversorgung gilt daher als unproblematisch [1].
Vitamin K: für die Blutgerinnung
Vitamin K spielt eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung und ist außerdem am Knochenstoffwechsel beteiligt.
Wie Pferde ihren Vitamin-K-Bedarf decken können: Grünes Weidegras und Luzerneheu liefern Vitamin K in größeren Mengen. Zusätzlich wird es im Dickdarm von Mikroorganismen gebildet. Ein ernährungsbedingter Mangel ist beim gesunden Pferd daher nicht bekannt. Relevant kann Vitamin K vor allem dann werden, wenn die Darmflora gestört ist, zum Beispiel nach Antibiotikagaben oder bei längerem Durchfall [1].
Eine besondere Gefahr besteht bei der Aufnahme von verschimmeltem Steinklee. Dabei kann der darin entstehende Stoff Dicumarol die Vitamin-K-abhängige Blutgerinnung hemmen und zu einer erhöhten Blutungsneigung führen. Dieser Zusammenhang ist in der veterinärmedizinischen Fachliteratur gut beschrieben [1].
Vitamin C: die körpereigene Produktion
Anders als der Mensch kann das Pferd Vitamin C in der Leber selbst bilden. Deshalb gibt es keinen festgelegten Mindestbedarf für dieses Vitamin. Die wichtigste Quelle ist die körpereigene Synthese, zusätzlich liefert frisches Gras Vitamin C. Beim Trocknen zu Heu geht ein großer Teil jedoch verloren.
Unter besonderen Belastungen kann die Eigenproduktion möglicherweise nicht ausreichen. Untersuchungen zeigen, dass bei Fohlen nach starkem Transportstress, bei Pferden mit chronischen Atemwegserkrankungen und nach körperlicher Belastung niedrigere Vitamin-C-Werte gemessen werden können. Eine gezielte Supplementierung konnte in diesen Situationen die Vitamin-C-Spiegel wieder erhöhen [8, 9, 10].
Wie Pferde ihren Vitamin-C-Bedarf decken können: Vitamin C gilt beim Pferd daher unter bestimmten Bedingungen als bedingt essenziell. Eine Ergänzung, zum Beispiel durch Hagebutten, kann vor allem bei erhöhter Belastung oder gesundheitlichen Problemen wie einer Infektion sinnvoll sein und sollte gezielt erfolgen.
Fazit
Vitaminmangel beim Pferd kommt zwar seltener vor, ist jedoch gleichermaßen relevant wie ein Mangel an anderen Mikronährstoffen. Besonders Vitamin E verdient bei reiner Heufütterung Aufmerksamkeit, da der Gehalt durch den Trocknungsprozess stark sinkt und kontrollierte Fütterungsstudien am Pferd einen Zusammenhang zwischen langfristiger Unterversorgung und schweren neurologischen Erkrankungen zeigen.
Bei den meisten anderen Vitaminen sorgt der Pferdekörper bei ausreichender Raufutterversorgung und gesunder Dickdarmflora weitgehend selbst für eine stabile Versorgung. Trotzdem gilt: Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A und Vitamin D sollten nicht unkritisch ergänzt werden, da sie im Körper gespeichert werden können und eine dauerhafte Überversorgung problematisch sein kann. Wasserlösliche Vitamine wie die B-Vitamine und Vitamin C werden dagegen größtenteils wieder ausgeschieden, weshalb eine Überversorgung hier deutlich seltener ein Thema ist.
Die in diesem Artikel vorgestellten Informationen basieren auf wissenschaftlicher Fachliteratur und, wo angegeben, auf kontrollierten Pferdestudien. Sie ersetzen keine tierärztliche oder ernährungsberatende Beurteilung. Die Ergänzung von Vitaminen sollte stets in Absprache mit einem Tierarzt oder Pferdeernährungsberater erfolgen.
🤖 Hinweis: Das Titelbild dieses Artikels wurde mithilfe von KI erstellt (KI-generiertes Bild).