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Das Wichtigste in Kürze
- Atemwegsprobleme beim Pferd können viele Ursachen haben, von vorübergehendem Husten bis zum Equinen Asthma.
- Thymian*, Spitzwegerich*, Eibisch, Königskerze und Süßholz* werden traditionell zur Unterstützung der Atemwege eingesetzt und bringen interessante Pflanzenstoffe mit.
- Die wissenschaftliche Datenlage ist je nach Pflanze unterschiedlich. Direkte Studien am Pferd sind noch vergleichsweise selten.
Warum Atemwegsprobleme beim Pferd so häufig sind
Pferde haben ein leistungsfähiges, aber empfindliches Atemsystem. Als ausgeprägte Nasenatmer sind sie darauf angewiesen, dass die eingeatmete Luft in den Atemwegen gereinigt, erwärmt und befeuchtet wird. Staub, Schimmelsporen, Ammoniak und andere Reizstoffe können diese natürlichen Schutzmechanismen belasten, weshalb die Qualität von Heu und Einstreu sowie die Stallbelüftung eine wichtige Rolle spielen.
Auch virale und bakterielle Infektionen können vorübergehende Atemwegsbeschwerden auslösen. Bei chronischen Beschwerden kommt dagegen häufig das Equine Asthma als Ursache infrage, dem wir einen eigenen, ausführlichen Artikel gewidmet haben. Kräuter können hier eine sinnvolle Ergänzung sein, die Grundlage bleibt jedoch immer ein möglichst atemwegsfreundliches Management.
Typische Anzeichen von Atemwegsproblemen
- Husten, gelegentlich oder wiederkehrend, besonders beim Anlongieren oder Anreiten
- Nasenausfluss
- Verlängerte Erholungszeit nach dem Training
- Leistungsabfall
- Vermehrtes Räuspern oder Husten beim Fressen von staubigem Heu
- Auffällige oder erschwerte Atmung
Wichtig: Hält Husten an, nimmt er zu, oder kommen Nasenausfluss, Fieber, erhöhte Atemfrequenz oder Atemnot hinzu, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.
6 Atemwegskräuter für Pferde
Ob Thymianduft im Heuboden, Spitzwegerich am Wegesrand oder die goldgelben Blüten der Königskerze auf der Weide. Viele dieser Pflanzen kennen wir, ohne uns bewusst zu sein, wie lange sie schon Pferden bei Atemwegserkrankungen zur Seite stehen. Über Generationen wurden sie in Ställen weitergereicht. Wir stellen dir sechs Pflanzen vor, die traditionell bei Pferden zum Einsatz kommen.
#1: Thymian* (Thymus vulgaris), der Klassiker mit vielseitigem Wirkprofil
Thymian gehört zu den bekanntesten Pflanzen für die Atemwege. Besonders interessant sind seine ätherischen Öle mit den Hauptbestandteilen Thymol und Carvacrol. Im Labor können beide Stoffe das Wachstum verschiedener grampositiver und gramnegativer Bakterien hemmen [1]. Das untermalt die traditionelle Verwendung von Thymian, auch wenn sich daraus noch keine direkte Wirkung gegen bakterielle Atemwegsinfektionen beim Pferd ableiten lässt. Weitere Untersuchungen zeigen, dass Thymian beziehungsweise seine Inhaltsstoffe die Muskulatur der Atemwege beeinflussen und den mukoziliären Transport unterstützen können, den natürlichen Reinigungsmechanismus der Atemwege [2].
In einer kleinen Pilotstudie mit Pferden wurde die Wirkung eines Kräutergemisches mit unter anderem Thymian auf Pferde mit wiederkehrenden Atemwegsproblemen untersucht. Dabei zeigte sich ein positiver Trend bei der Atemfrequenz. Die Studie beweist nicht, dass der Effekt allein auf Thymian zurückzuführen ist, das Ergebnis passt aber zu den bekannten Eigenschaften der enthaltenen Pflanzenstoffe [3].
Beim Menschen ist Thymian deutlich umfangreicher untersucht worden: Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit wertete 15 klinische Studien zu Bronchitis, Asthma und COPD aus [4], darunter auch eine eigene randomisierte, placebokontrollierte Studie speziell bei Asthmapatienten [5]. Das ist kein direkter Wirksamkeitsnachweis für das Pferd, zeigt aber, dass die traditionelle Anwendung pharmakologisch nachvollziehbar ist.
Praxis-Tipp: Getrockneter Thymian kann als pflanzliche Unterstützung unter das Futter gemischt werden. Ätherische Öle sollten dagegen nicht unverdünnt verfüttert werden.
#2: Spitzwegerich* (Plantago lanceolata), traditionell bei gereizten Atemwegen
Spitzwegerich gehört zu den klassischen Pflanzen bei Husten und gereizten Schleimhäuten. Er enthält unter anderem Iridoidglykoside wie Aucubin und Catalpol sowie Acteosid. Laboruntersuchungen zeigen, dass diese Inhaltsstoffe Entzündungsprozesse beeinflussen und entspannend auf die Muskulatur der Atemwege wirken können [6]. Interessant ist außerdem eine Tierstudie an Meerschweinchen, in der ein Spitzwegerich-Extrakt die Zahl künstlich ausgelöster Hustenanfälle deutlich reduzierte, in einer Größenordnung, die mit dem Hustenmittel Codein vergleichbar war [7].
Praxis-Tipp: Spitzwegerich wird traditionell besonders bei trockenem, reizbedingtem Husten eingesetzt und kann als getrocknetes Kraut verfüttert werden.
#3: Eibisch (Althaea officinalis), sanfter Schutz für gereizte Schleimhäute
Eibisch ist eine klassische Schleimstoffpflanze. Seine Wurzeln enthalten große Mengen an pflanzlichen Schleimstoffen, die sich bei Kontakt mit Wasser lösen und eine gelartige Schicht bilden. Vereinfacht gesagt legen sich die Schleimstoffe wie ein dünner Schutzfilm auf gereizte Schleimhäute, was besonders bei trockenem, Reizhusten interessant ist. Untersuchungen beschreiben zudem hustenlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften [8].
Praxis-Tipp: Eibischwurzel lässt sich mit Wasser zu einem schleimstoffreichen Ansatz verarbeiten. Ein kalter Ansatz ist besonders schonend für die enthaltenen Schleimstoffe.
#4: Königskerze (Verbascum thapsus), traditionell ein Lungenkraut
Die Königskerze hat in der europäischen Pflanzenheilkunde eine lange Tradition als Atemwegspflanze. Ihre Blüten und Blätter enthalten Schleimstoffe, Saponine und Flavonoide, die mit schleimhautschützenden, entzündungsmodulierenden und teilweise schleimlösenden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Auch moderne Untersuchungen liefern Hinweise: Extrakte der Königskerze zeigten im Labor eine antibakterielle Aktivität, weitere Untersuchungen beschäftigen sich mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften [9].
Praxis-Tipp: Getrocknete Königskerzenblüten und -blätter können unter das Futter gemischt werden. Auf eine gute Trocknung und Lagerung sollte geachtet werden.
#5: Süßholz* (Glycyrrhiza glabra), intensiv untersucht und vielseitig
Süßholz gehört zu den am besten untersuchten Heilpflanzen überhaupt. Besonders interessant ist der Inhaltsstoff Glycyrrhizin, zu dem Untersuchungen entzündungsmodulierende, antioxidative und antivirale Eigenschaften beschreiben [10]. Das macht Süßholz auch für die Atemwege interessant.
Aus der Veterinärmedizin gibt es ebenfalls interessante Erkenntnisse, wenn auch bisher nicht speziell zur Lunge des Pferdes: In einer Studie an zwölf Eseln wurde Süßholzextrakt im Zusammenhang mit Magenschleimhautschäden untersucht und zeigte einen schleimhautprotektiven Effekt [11]. Damit gibt es auch bei Huftieren erste wissenschaftliche Hinweise auf die schleimhautschützenden Eigenschaften der Pflanze.
Praxis-Tipp: Süßholzwurzel wird wegen ihres süßen Geschmacks meist gerne angenommen. Bei längerer oder hoch dosierter Anwendung ist Vorsicht geboten, da Glycyrrhizin den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt und damit auch den Blutdruck beeinflussen kann.
#6: Zistrose (Cistus incanus), Polyphenole mit besonderem Potenzial
Die graubehaarte Zistrose ist reich an Polyphenolen, darunter Ellagitannine und Flavonoide, die vor allem wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften untersucht werden [12]. Diese Inhaltsstoffe können dazu beitragen, die Schleimhäute vor oxidativem Stress zu schützen und machen die Zistrose insbesondere im Zusammenhang mit entzündlichen Prozessen und gereizten Schleimhäuten interessant.
Eine Pilotstudie der University of Georgia untersuchte 2025 ein Polyphenolpräparat bei Pferden mit Equinem Asthma. Bei den behandelten Pferden sanken sowohl die Entzündungswerte in der Lunge als auch die Atemfrequenz, selbst wenn die Tiere gezielt staubiger Luft ausgesetzt wurden. Wie belastbar dieses Ergebnis ist und was es für die Praxis bedeutet, haben wir in unserem ausführlichen Artikel zu Equinem Asthma zusammengefasst.
Praxis-Tipp: Zistrose kann als pflanzliche Begleitung der Atemwege eingesetzt werden. Cistus incanus wird meist als getrocknetes Kraut gefüttert. Gib täglich 15-25 g getrocknete Zistrose ins Futter. Das Kraut kann auch als Tee zubereitet und über das Futter gegossen werden. Dafür 1-2 Esslöffel mit heißem Wasser übergießen und ziehen lassen.
Haltung als Grundlage
So interessant Pflanzenstoffe auch sind: Kein Kraut kann ein dauerhaft staubreiches Umfeld ausgleichen. Staubarmes Heu, gute Stallbelüftung, geeignete Einstreu und möglichst viel frische Luft gehören zu den wichtigsten Maßnahmen für gesunde Atemwege. Kräuter können diese Maßnahmen sinnvoll ergänzen, sie ersetzen sie aber nicht.
Wann unbedingt ein Tierarzt gefragt ist
- Anhaltender oder zunehmender Husten
- Auffälliger Nasenausfluss
- Erhöhte Atemfrequenz in Ruhe
- Sichtbare Atemnot
- Deutlicher Leistungsabfall
- Fieber in Verbindung mit Atemwegssymptomen
Besonders bei chronischen Beschwerden sollte nicht versucht werden, die Symptome ausschließlich mit Kräutern zu überdecken.
Fazit
Kräuter können eine wertvolle pflanzliche Unterstützung für die Atemwege des Pferdes sein. Thymian, Spitzwegerich, Eibisch, Königskerze, Süßholz und Zistrose bringen unterschiedliche Pflanzenstoffe mit, die unter anderem schleimhautschützend, reizlindernd, entzündungsmodulierend oder antioxidativ wirken können.
Wichtig ist dabei, die Kräuter passend zu den individuellen Bedürfnissen des Pferdes auszuwählen und als Teil eines ganzheitlichen Atemwegsmanagements zu betrachten. Staubarmes Heu, gute Stallluft, geeignete Einstreu und ausreichend Bewegung an der frischen Luft bleiben die Grundlage für gesunde Atemwege.
*Die markierten Pflanzen enthalten dopingrelevante Substanzen und sollten daher mindestens 48 Stunden vor einem Turnier nicht mehr gefüttert werden.
🤖 Hinweis: Das Titelbild dieses Artikels wurde mithilfe von KI erstellt (KI-generiertes Bild).