Futter für nervöse Pferde: Die besten Ergänzungsfuttermittel für das Nervensystem

Futter für nervöse Pferde: Die besten Ergänzungsfuttermittel für das Nervensystem

Nervöse und schreckhaft reagierende Pferde bringen ihre Besitzer oft an die Grenzen der Geduld. Wenn der vierbeinige Partner bei jedem Geräusch zusammenzuckt oder in Stresssituationen völlig aus dem Gleichgewicht gerät, kann gezieltes Zusatzfutter eine wertvolle Unterstützung bieten. Mit der richtigen Nährstoffzufuhr lässt sich das Nervensystem deines Pferdes stärken und seine innere Ruhe fördern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nervosität bei Pferden kann durch Magnesiummangel, B-Vitamin-Defizite oder unausgewogene Fütterung verstärkt werden
  • Die Wirkung von Futterergänzungen entfaltet sich meist erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Gabe
  • Bei schwerwiegender Nervosität oder plötzlichen Verhaltensänderungen sollte immer ein Tierarzt konsultiert werden
  • Nicht jedes Pferd hat starke Nerven. Ergänzungsfutter kann unterstützen, aber keine Wunder vollbringen

Warum manche Pferde nervöser sind als andere

Pferde besitzen von Natur aus unterschiedliche Charakterzüge. Während manche Vierbeiner von Geburt an ausgeglichen und gelassen reagieren, neigen andere zu erhöhter Schreckhaftigkeit und Anspannung. Genetische Veranlagung, Aufzuchtbedingungen und frühe Erfahrungen prägen das Nervenkostüm eines Pferdes maßgeblich. Sensible Rassen wie Vollblüter oder Araber zeigen häufig eine stärkere Reaktionsbereitschaft als robuste Kaltblüter. Hinzu kommt der Einfluss von Erfahrungen in der Jugend, das Verhalten in der Herde und vieles mehr.

Neben diesen Gründen können weitere Faktoren das Nervensystem belasten und bereits vorhandene Nervosität verstärken. Stall- und Herdenwechsel, intensive Trainingsperioden oder schlechte Erfahrungen können selbst ausgeglichene Pferde aus der Ruhe bringen. Auch körperliche Beschwerden, Schmerzen oder hormonelle Schwankungen wirken sich direkt auf das Wohlbefinden und damit auf das Verhalten aus.

📌 Quick-Tipp: Wichtig ist, dass du von Natur aus nervöse Pferde nicht zusätzlich belastest oder ständig die Routinen wechselst.

Strahle selbst Ruhe aus und bringe Veränderungen in den Alltag schleichend ein. Das unterstützt den Vertrauensaufbau und kann so Nervosität beim Pferd lindern oder sogar vorbeugen.

Wie die Ernährung Einfluss auf das Nervensystem nimmt

Für die Arbeit des Nervensystems sind eine konstante Versorgung mit Energie in Form ausreichender Kohlenhydrate und weitere Nährstoffe essentiell, weshalb die Ernährung des Pferdes ausgewogen sein sollte.

Das Nervensystem steuert alle Körperfunktionen und reagiert sehr sensibel auf Schwankungen, die unter anderem durch Fütterung entstehen können.

Eine dauerhafte Unterversorgung führt also in der Regel unmittelbar zu mehr Nervosität, da wichtige Stoffe für die optimale Funktion des Organismus fehlen. Gleichzeitig kann eine zu energiereiche Fütterung, besonders mit viel Stärke oder Zucker, das Pferd übermäßig stimulieren und das Nervensystem überlasten.

Falsche Ernährung kann außerdem zu Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder anderen Beschwerden führen, was sich unmittelbar auf das Verhalten deines Pferdes auswirken kann. 

7 Futterergänzungen für nervöse Pferde

Futterergänzung #1: natürliches Magnesium

Magnesium gilt als einer der wichtigsten Mineralstoffe für das Nervensystem und die Muskulatur. Der Nährstoff reguliert die Erregbarkeit der Nervenzellen und sorgt für eine entspannte Muskulatur. Fehlt Magnesium, reagieren Pferde häufig schreckhaft und angespannt. Besonders Sportpferde mit erhöhter Beanspruchung oder Pferde, die viel schwitzen, haben einen höheren Magnesiumbedarf. Die beruhigende Wirkung macht sich meist nach zwei bis drei Wochen regelmäßiger Fütterung bemerkbar.

Besteht ein Mangel, empfehlen wir dir magnesiumhaltige Naturprodukte dem Futter deines Pferdes beizumischen. Besonders geeignet sind Weizenkleie und Alfalfa-Sprossen. 

Anwendung: Täglich 50 g Alfalfa-Sprossen für ein 500 kg schweres Pferd unter das Futter mischen. 

Futterergänzung #2: natürliche B-Vitamine 

B-Vitamine sind essentiell für die Funktion des zentralen Nervensystems und den Energiestoffwechsel der Nervenzellen. Vitamin B1 (Thiamin) unterstützt die Signalübertragung, während Vitamin B12 bei der Bildung der Nervenscheiden hilft. Ein Mangel an B-Vitaminen kann sich in Form von Unkonzentriertheit, Nervosität und verminderter Leistungsbereitschaft zeigen. Pferde mit Stress z.B. aufgrund längerer Transportzeiten oder intensivem Training haben einen erhöhten Bedarf. Bierhefe gilt als besonders reich an B-Vitaminen.

Anwendung:  30-50 g Bierhefe täglich ins Futter mischen (500 kg schweres Pferd). 

Futterergänzung #3: L-Tryptophan aus natürlichen Quellen 

L-Tryptophan* ist eine essentielle Aminosäure, die als Baustein für das Glückshormon Serotonin dient. Serotonin reguliert Stimmung, Schlaf und Entspannung. Ein ausreichender Spiegel fördert die Gelassenheit und Ausgeglichenheit deines Pferdes. Besonders in bestimmten Situationen wie Turnieren, Stallwechsel oder bei nervlicher Belastung kann Tryptophan die innere Ruhe unterstützen. Auch im Hinblick auf Tryptophan gilt Alfalfa als optimale Ergänzung. 

Anwendung: 5-10 g L-Tryptophan aus natürlichen Quellen wie Alfalfa täglich über einen längeren Zeitraum füttern. Die Gabe sollte etwa eine Stunde vor dem Reiten oder stressigen Situationen erfolgen. 

Futterergänzung #4: Passionsblume

Passionsblume wird seit Jahrhunderten als beruhigendes Kraut geschätzt und wirkt entspannend auf das Nervensystem. [1] Die Inhaltsstoffe der Pflanze können Anspannung lösen und bei nervösen Pferden für mehr Gelassenheit sorgen. Besonders bei schreckhaften Pferden kann Passionsblume beruhigend wirken und dabei helfen, wieder Vertrauen zu fassen.

Anwendung: 15-25 g getrocknete Passionsblume täglich unter das Futter mischen. Bei akuten Stresssituationen kann die Dosis kurzfristig verdoppelt werden.

Futterergänzung #5: Baldrian*

Baldrian ist ein bewährtes Naturheilmittel mit entspannender und beruhigender Wirkung auf das Nervensystem. Die ätherischen Öle und Valerensäure in der Baldrianwurzel können dabei helfen, Nervosität zu mindern und die Regeneration zu fördern. [2] Wichtig ist eine gleichmäßige Dosierung über mehrere Wochen, damit sich die volle Wirkung entfalten kann.

Anwendung: 10-20 g Baldrianwurzel pulverisiert täglich verfüttern. Die Gabe am Abend kann zusätzlich einen erholsamen Schlaf fördern. 

Futterergänzung #6: Kamillenblüten*

Kamille wirkt nicht nur beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt, sondern auch entspannend auf das gesamte Nervensystem. [3]  Die entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften der Kamillenblüten können nervösen Pferden dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Besonders Pferde, die unter Stress Verdauungsprobleme entwickeln, profitieren von der ganzheitlichen Wirkung der Kamille. Als sanftes Naturheilmittel ist Kamille auch für eine längerfristige Anwendung geeignet.

Anwendung: 30-50 g getrocknete Kamillenblüten täglich ins Futter geben. Als Tee aufgebrüht und abgekühlt über das Heu gegossen, kann Kamille besonders gut wirken.

Futterergänzung #7: natürliches Vitamin E

Vitamin E schützt als starkes Antioxidans die Nervenzellen vor schädlichen freien Radikalen und unterstützt die Regeneration des Nervensystems. Besonders bei nervlicher Belastung und Stress entstehen vermehrt freie Radikale, die das empfindliche Nervengewebe schädigen können. Eine ausreichende Vitamin E-Versorgung stärkt die Widerstandskraft der Nerven und kann langfristig zu mehr Ausgeglichenheit beitragen. Pferde mit intensivem Training oder erhöhter Belastung haben einen besonders hohen Vitamin E-Bedarf. 

Anwendung:  Natürliche Quellen wie Weizenkeimöl sind besonders wertvoll. Daher regelmäßig 30-40 ml Weizenkeimöl unter das Futter rühren. 

Futter für nervöse Pferde: Wo liegen die Grenzen?

Ergänzungsfuttermittel sind eine wertvolle Unterstützung für das Nervensystem deines Pferdes und können bei regelmäßiger Anwendung zu mehr Gelassenheit und Ausgeglichenheit beitragen. Besonders zur Vorbeugung und bei leichter Nervosität zeigen natürliche Futtermittel gute Erfolge, ohne in der Regel Nebenwirkungen zu verursachen.

Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass Futtermittel ihre Zeit brauchen. Die meisten Stoffe entfalten ihre volle Kraft erst nach mehrwöchiger Gabe. Bei schwerwiegender Nervosität, plötzlichen Verhaltensänderungen oder wenn sich die Symptome trotz gezielter Fütterung verschlechtern, solltest du unbedingt einen Tierarzt hinzuziehen.

Manchmal stecken körperliche Beschwerden, Schmerzen oder ernsthafte Störungen hinter der Nervosität, die eine professionelle Behandlung erfordern. Futtermittel können die tierärztliche Therapie dann sinnvoll ergänzen, aber niemals ersetzen.

Fazit

Mit den richtigen Ergänzungsfuttermitteln kannst du das Nervensystem deines Pferdes gezielt unterstützen und zu mehr innerer Ruhe beitragen. Natürliche Nährstoffe wie Magnesium, B-Vitamine und beruhigende Kräuter wie Passionsblume haben sich als natürliche Helfer bewährt und sind in der Regel gut verträglich. Wichtig ist Geduld, denn die volle Wirkung entfaltet sich erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Gabe.

Zurück

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis Ergänzungsfuttermittel bei nervösen Pferden wirken?

Die meisten natürlichen Futtermittel benötigen 2-4 Wochen regelmäßiger Gabe, bis sich eine spürbare Wirkung einstellt. Magnesium und B-Vitamine können bereits nach 10-14 Tagen erste Erfolge zeigen, während Kräuter oft etwas mehr Zeit brauchen. Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg.

Können mehrere beruhigende Futtermittel gleichzeitig gegeben werden?

Grundsätzlich lassen sich verschiedene Ergänzungsfuttermittel kombinieren, allerdings solltest du nicht wahllos mehrere Präparate mischen. Eine sinnvolle Grundversorgung mit Magnesium und B-Vitaminen kann durch ein beruhigendes Kraut wie Passionsblume ergänzt werden.

Macht beruhigend wirkendes Futter das Pferd träge oder mindert die Leistung?

Nein, hochwertige, natürliche Ergänzungsfuttermittel fördern die Entspannung, ohne die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Im Gegenteil: Ausgeglichene Pferde sind oft konzentrierter und leistungsstärker als nervöse Tiere. Überdosierung sollte jedoch vermieden werden.

Wann sollte ich bei der Nervosität meines Pferdes einen Tierarzt kontaktieren?

Ein Tierarzt sollte immer dann hinzugezogen werden, wenn die Nervosität plötzlich auftritt, sehr stark ausgeprägt ist oder sich trotz gezielter Fütterung verschlechtert. Auch wenn andere Symptome wie Lahmheit, Appetitlosigkeit oder Verhaltensänderungen dazukommen, ist professionelle Hilfe nötig.

Disclaimer

Die in diesem Artikel vorgestellten Hausmittel, Kräuter und Empfehlungen basieren auf praktischen Erfahrungen und traditionellem Wissen. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen solltest du immer einen Tierarzt konsultieren. Jedes Pferd reagiert individuell auf Behandlungen, daher können die genannten Mittel unterschiedlich wirken. Die Anwendung der Hausmittel erfolgt auf eigene Verantwortung.

*Die markierten Pflanzen fallen unter doping-relevante Substanzen und sollten daher mind. 48 Stunden vor einem Turnier nicht verfüttert werden.

Kristin Trabandt

Kristin Trabandt

Versiert mit Ernährung für Pferde

Kristin Trabandt arbeitet bei Dr. Pandalis und ist langjährig versiert mit der Ernährung bei Pferden, insbesondere im Bereich pflanzlicher Wirkstoffe wie Cistus incanus. Mit ihrer Erfahrung verbindet sie traditionelles Wissen mit moderner Pferdeernährung.

Alle Artikel von diesem Autor →

Quellen

  1. Akhondzadeh S, Naghavi HR, Vazirian M, Shayeganpour A, Rashidi H, Khani M. Passionflower in the treatment of generalized anxiety: a pilot double-blind randomized controlled trial with oxazepam. J Clin Pharm Ther. 2001 Oct;26(5):363-7. doi: 10.1046/j.1365-2710.2001.00367.x. PMID: 11679026. 
  2. Pinder NE, Ligocki IY, Horton BM, Hoover JE. Valerenic acid reduces anxiety-like behavior in young adult, female (C57BL/6J) mice. Behav Brain Res. 2024 Feb 4;457:114717. doi: 10.1016/j.bbr.2023.114717. Epub 2023 Oct 16. PMID: 37852540 
  3. Chaves PFP, Hocayen PAS, Dallazen JL, de Paula Werner MF, Iacomini M, Andreatini R, Cordeiro LMC. Chamomile tea: Source of a glucuronoxylan with antinociceptive, sedative and anxiolytic-like effects. Int J Biol Macromol. 2020 Dec 1;164:1675-1682. doi: 10.1016/j.ijbiomac.2020.08.039. Epub 2020 Aug 11. PMID: 32795578.