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Das Wichtigste in Kürze
- Mineralstoffmängel entwickeln sich schleichend; erste Zeichen sind oft unspezifisch.
- Die häufigsten Mängel betreffen Selen, Kupfer, Zink und Natrium.
- Reine Heu- und Weidegräser liefern oft nicht ausreichend Kupfer, Zink und Selen.
- Eine Futteranalyse des eigenen Heus ist die verlässlichste Methode zur Bedarfsermittlung.
- Überdosierungen können genauso schädlich sein wie Mängel. Immer gezielt und in physiologisch optimaler Konzentration ergänzen.
Warum Mineralstoffe so wichtig sind
Mengenelemente wie Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium und Natrium werden in größeren Mengen benötigt. Spurenelemente wie Selen, Kupfer, Zink, Mangan, Jod und Kobalt wirken in kleinsten Mengen, sind aber genauso unentbehrlich [1][2]. Entscheidend ist nicht nur die Menge jedes Minerals, sondern auch ihr Verhältnis zueinander: Zu viel Eisen blockiert die Aufnahme von Kupfer und Zink, selbst wenn beide ausreichend im Futter vorhanden sind [3].
Die häufigsten Mängel beim Pferd
#1: Selen: Der schmale Grat zwischen Mangel und Vergiftung
Selen ist das kritischste Spurenelement in der Pferdehaltung, weil der Bereich zwischen zu wenig und zu viel eng ist. Der Tagesbedarf eines 500-kg-Pferdes liegt laut NRC bei mindestens 1 mg, für die optimale Immunfunktion bei bis zu 3 mg täglich [4]. Ab etwa 5 mg pro Tag beginnt der toxische Bereich. In weiten Teilen Europas sind die Böden selenarm; Schätzungen zufolge sind bis zu 30 Prozent aller Pferde nicht ausreichend versorgt [5]. Erste Anzeichen eines Mangels sind Müdigkeit, stumpfes Fell und schlechtere Erholung nach dem Training. Ein schwerer Selenmangel führt zur weißen Muskelkrankheit (Nutritional Myodegeneration), besonders gefährlich bei Fohlen [6]. Selen und Vitamin E schützen gemeinsam Zellmembranen vor freien Radikalen; ein gleichzeitiger Mangel verstärkt Muskelschäden erheblich [7].
Praxis-Tipp: In selenarmen Regionen, besonders in Norddeutschland und Teilen Mitteleuropas, den Selenstatus vor jeder Supplementierung prüfen. Als Ergänzungsquelle ist organisches Selen in Form von Selenhefe dem anorganischen Natriumselenit vorzuziehen, da es besser aufgenommen wird [4][5]. Ergänzend können Leinsamen (moderate Selenmengen, Omega-3, Vitamin E) und Bierhefe (Selen, Zink, Mangan, B-Vitamine) zur Grundversorgung beitragen [1][2]. Hochdosierte, synthetische Selenverbindungen sollten gemieden werden.
#2: Kupfer: Wenn Hufe, Fell und Gelenke leiden
Kupfer ist an der Bildung von Kollagen und Elastin beteiligt und unverzichtbar für Bindegewebe, Knorpel und Hufsubstanz. Kupfermangel zeigt sich am Fell: Dunkle Pferde wirken stumpf oder rötlich, schwarze Pferde bekommen dabei besonders auffällig einen Rotstich. Außerdem können brüchige Hufe, schwächere Knochen und bei Fohlen Gelenkprobleme auftreten [1][2]. Heu- und Weidegräser liefern von Natur aus wenig Kupfer; viele Trinkwasserquellen in Deutschland haben zudem erhöhte Eisenwerte, die die Kupferaufnahme im Darm hemmen [3].
Praxis-Tipp: Luzerne (Alfalfa) und Bierhefe liefern Kupfer in gut verwertbarer Form und können die Grundversorgung verbessern. Bei eisenreichem Trinkwasser kann eine Wasseranalyse sinnvoll sein, da die Kupferaufnahme auch bei ausreichend Kupfer im Futter gehemmt sein kann [3].
#3: Zink: Schlüssel für Immunsystem und Wundheilung
Zink ist an über 300 Enzymfunktionen beteiligt und zentral für Immunabwehr, Wundheilung, Proteinaufbau und Hufwachstum. Ein Zinkmangel äußert sich ähnlich wie ein Kupfermangel: verminderter Fellglanz, schlechte Wundheilung sowie Haut- und Hufprobleme [1][2]. Zink und Kupfer müssen stets im Verhältnis betrachtet werden: Zu viel Zink hemmt die Kupferaufnahme. Das empfohlene Verhältnis liegt bei 3:1 bis 4:1 [2].
Praxis-Tipp: Bierhefe und Biertreberhefe zählen zu den besten natürlichen Zinkquellen beim Pferd [2]. Für eine gezielte Supplementierung ist organisch gebundenes Zink (Zinkchelat) anorganischem Zinkoxid vorzuziehen. Wichtig: nie isoliert überdosieren, stets das Kupferverhältnis im Blick behalten [2][3].
#4: Magnesium: Mehr als nur für die Nerven
Magnesium ist entscheidend für Muskelfunktion, Nervenübertragung und Knochenmineralisation. Ein Mangel kann die Insulinempfindlichkeit verschlechtern, was besonders für Pferde mit EMS relevant ist [8]. Mögliche Symptome sind Muskelzittern, Nervosität und erhöhte Erregbarkeit, wobei diese Zeichen unspezifisch sind [1]. Luzerne und Wiesenheu liefern relevante Magnesiummengen; für eine gezielte Ergänzung eignen sich Magnesiumoxid oder Magnesiumchlorid gut, da überschüssiges Magnesium renal ausgeschieden wird [1][8].
#5: Jod: Die Verbindung zur Schilddrüse
Jod ist unentbehrlich für die Schilddrüsenfunktion. Jodmangel in der Trächtigkeit kann beim Fohlen zur angeborenen Schilddrüsenunterfunktion (Congenital Hypothyroidism and Dysmaturity Syndrome, CHDS) führen. Dasselbe gilt bei Überdosierung durch exzessiven Einsatz von Meeresalgenprodukten [1][9]. Deren Jodgehalt schwankt erheblich; ein Einsatz sollte daher nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen.
#6: Natrium: Der am häufigsten unterschätzte Mangel
Natriummangel ist vermutlich der häufigste Mineralstoffmangel bei Pferden, wird aber selten als solcher erkannt. Heu und Weide liefern zu wenig Natrium; Schweiß bei Belastung verstärkt den Verlust. Zeichen können erhöhter Appetit auf Salz und Erde sowie schlechtere Wasseraufnahme sein [1]. Ein frei verfügbarer Salzleckstein ist die einfachste Präventionsmaßnahme; bei stark schwitzenden Turnier- oder Sportpferden kann zusätzlich Kochsalz direkt ins Futter gegeben werden.
Mineralstoffe und das Immunsystem
Vor allem Selen, Zink und Kupfer sind als antioxidativ und immunmodulatorisch wirkende Spurenelemente direkt in die Enzymkaskaden der unspezifischen Immunabwehr eingebunden; ein Mangel kann die Infektionsabwehr messbar schwächen [1][2]. Als ergänzende pflanzliche Unterstützung des Immunsystems wird in der Pferdehaltung Cystus Equine® (Cistus incanus) eingesetzt. In vitro wurden antivirale und antioxidative Eigenschaften des polyphenolreichen Extraktes von Cistus incanus gezeigt [10][11].
Wie erkennst du einen Mineralstoffmangel?
Die Symptome sind meist unspezifisch. Stumpfes Fell, brüchige Hufe, verminderte Leistung oder häufigere Infekte können viele Ursachen haben [3]. Die wichtigsten Diagnosewege:
- Futteranalyse: Grundlage jeder Ergänzungsstrategie. Sie zeigt den tatsächlichen Mineralstoffgehalt des Heus und ermöglicht eine gezielte Ergänzung.
- Blutuntersuchung: Kann bei Selen (Glutathionperoxidase-Aktivität) Hinweise liefern, spiegelt aber nicht immer den tatsächlichen Körperspeicher wider [3].
Wichtig: Haaranalysen sind nach aktuellem Forschungsstand keine zuverlässige Methode. Eine Studie aus 2022 zeigte erhebliche Inkonsistenz zwischen kommerziellen Laboratorien [3].
Was tun bei Verdacht auf Mineralstoffmangel?
Erste Anlaufstelle sollte immer die Tierärztin oder der Tierarzt sein, idealerweise ergänzt durch eine Pferdeernährungsberatung. Blind zu supplementieren birgt echte Risiken, besonders bei Selen [4][5]. Eine sinnvolle Strategie:
- Heuanalyse beauftragen und den Ist-Zustand kennenlernen.
- Nur nachweislich fehlende Mineralstoffe ergänzen, bevorzugt in organisch gebundener Form.
- Mineralverhältnisse beachten: Zink:Kupfer (3:1 bis 4:1) und Calcium:Phosphor.
- Freien Zugang zu einem Salzleckstein als Natriumquelle sicherstellen.
Fazit
Mineralstoffmangel beim Pferd ist ein schleichender Prozess, der sich in kleinen, oft unspezifischen Veränderungen ankündigt. Der Trick liegt nicht darin, möglichst viele Mineralstoffe zu geben, sondern die richtigen in der richtigen Menge und im richtigen Verhältnis.
🤖 Hinweis: Das Titelbild dieses Artikels wurde mithilfe von KI erstellt (KI-generiertes Bild).