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Das Wichtigste in Kürze
- Regenekzem wird durch das Bakterium Dermatophilus congolensis verursacht, kein Pilz, sondern eine sogenannte Aktinomyceten-Art mit Eigenschaften von Bakterien und Pilzen [1, 2]
- Der Erreger ist opportunistisch, er nutzt bereits vorgeschädigte oder dauerhaft aufgeweichte Haut als Eintrittspforte, etwa bei Mauke, Sommerekzem oder Insektenstichen [1, 3]
- Anders als beim Sommerekzem juckt die betroffene Haut beim Regenekzem in der Regel nicht [3]
- In feuchtkalten Regionen wie Irland oder Island kommt die Erkrankung deutlich häufiger vor als in Deutschland, wo sie vor allem bei Pferden auftritt, die lange nassem Wetter ausgesetzt sind [1]
- Zu warmes Eindecken kann das Risiko erhöhen, da unter der Decke ein feuchtwarmes Mikroklima entstehen kann, das für den Erreger ein optimales Milieu schafft [1]
Was ist ein Regenekzem eigentlich?
Regenekzem, auch Regenräude, Dermatophilose oder im Englischen Rain Scald bzw. Rain Rot genannt, ist eine Hautinfektion, die durch das Bakterium Dermatophilus congolensis verursacht wird [1, 2]. Der Erreger ist kein klassisches Bakterium und auch kein Pilz, sondern eine Aktinomyceten-Art, ein Mikroorganismus mit Merkmalen beider Gruppen. Der Name bedeutet aus dem Griechischen übersetzt sinngemäß Freund der Haut, was angesichts der Symptome eher ironisch wirkt: Typisch für diese Erkrankung sind kleine, pinselartig verklebte Fellbüschel. Unter diesen „Pinselhaaren“ sitzen Krusten und entzündete Haut, teilweise auch nässendes oder eitriges Sekret. Besonders auffällig werden die Veränderungen bei Pferden mit dichtem Winterfell, weil sich die Krusten darin regelrecht festsetzen können [1].
Wo und wie häufig tritt ein Regenekzem auf
Regenekzem gehört weltweit zu den häufigsten bakteriellen Hauterkrankungen bei Pferden. Besonders verbreitet ist es in dauerhaft feuchtkalten Regionen wie Irland oder Island. In Deutschland tritt es vergleichsweise seltener auf, wird aber vor allem bei Pferden festgestellt, die über längere Zeit nassem Wetter ohne ausreichenden Unterstand ausgesetzt sind. Auch junge oder immungeschwächte Tiere sind anfälliger. Betroffen sind meist der Rücken, der Kopf und der Halsbereich, dort wo Insekten häufig stechen, sowie die Beine, wenn diese durch feuchten Untergrund dauerhaft nass sind. Bei starkem Befall können die Veränderungen schmerzhaft werden und sogar die Bewegung beeinträchtigen [1].
Der Erreger und warum Nässe der Schlüsselfaktor ist
Dermatophilus congolensis kann sich unter bestimmten Bedingungen in der Haut halten, ohne unmittelbar deutliche Krankheitszeichen zu verursachen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn die natürliche Hautbarriere beeinträchtigt ist. Dauerhafte Feuchtigkeit weicht die oberste Hautschicht auf und schafft damit günstige Bedingungen für die Aktivierung und Ausbreitung des Erregers. Auch kleine Hautverletzungen und andere Faktoren, die die Hautbarriere beeinträchtigen, können eine Infektion begünstigen. Nässe ist damit weniger die direkte Ursache als vielmehr der Faktor, der dem Erreger überhaupt erst die Gelegenheit gibt [1, 3].
Symptome erkennen und von anderen Hautproblemen unterscheiden
Das charakteristischste Merkmal sind verklebte, pinselartige Fellbüschel, die sich beim Anheben oder vorsichtigen Entfernen als Krusten mit darunterliegender entzündeter Haut erweisen können. Bei Pferden mit langem Winterfell sind diese Veränderungen besonders gut zu erkennen. Die genannten Merkmale können jedoch lediglich erste Anhaltspunkte liefern, da sich verschiedene Hauterkrankungen in ihrem Erscheinungsbild ähneln können und eine sichere Unterscheidung für Laien oft schwierig ist. Die folgende Übersicht dient daher vor allem der ersten Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei unklaren oder hartnäckigen Hautveränderungen kann der Tierarzt eine Untersuchung von Haaren, Hautschuppen oder Krusten durchführen.
- Beim Sommerekzem steht meist ein ausgeprägter Juckreiz im Vordergrund. Das Pferd scheuert sich häufig an Schweifrübe, Mähnenkamm oder anderen betroffenen Stellen. Bei der Dermatophilose kann Juckreiz dagegen fehlen oder unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die betroffenen Hautstellen können bei stärkerem Befall allerdings empfindlich oder schmerzhaft sein. Auch Berührungen können weh tun, weil der Fellausfall die darunterliegende Haut freilegt. Auch eine Schuppenbildung, wie sie beim Sommerekzem meist vorkommt, fehlt hier meist [1, 3].
- Ebenso kann Hautpilz mit Krusten, Haarausfall und entzündlichen Hautveränderungen ein ähnliches Bild verursachen, eine sichere Abgrenzung ist daher nicht immer möglich. Ein Hinweis kann jedoch die Verteilung der Veränderungen sein: Hautpilz zeigt sich häufig im Sattel-, Gurt- und Kopfbereich, während Regenekzem eher an Rücken, Kruppe und Fesselbeugen auftritt, also dort, wo die Haut lange feucht war. Auch die Berührungsempfindlichkeit kann sich unterscheiden: Sie ist beim Regenekzem häufig stärker ausgeprägt, während Hautpilz in der Regel weniger schmerzhaft ist.
Risikofaktoren im Alltag
Nicht nur anhaltende Nässe, sondern auch der Umgang mit Pferdedecken spielt eine unterschätzte Rolle. Eine Befragung australischer Pferdehalter zeigt, dass zu warmes und zu häufiges Eindecken ein verbreitetes Problem ist: Fast neun von zehn Befragten hielten übermäßiges Eindecken selbst für ein relevantes Risiko, und ein erheblicher Teil der Pferde war auch bei Temperaturen eingedeckt, unter denen eine Decke eigentlich nicht nötig gewesen wäre [4]. Unter einer zu warmen Decke können sich Wärme und Feuchtigkeit stauen, wodurch zwischen Decke und Fell ein feuchtwarmes Mikroklima entsteht, das bakterielles Wachstum begünstigt [1]. Auch langes und dichtes Fell kann das Risiko erhöhen: Es nimmt Feuchtigkeit auf und sorgt dafür, dass die Haut schlechter abtrocknen kann. Gerade bei feuchtem Wetter kann so ein Umfeld entstehen, in dem sich die für die Dermatophilose verantwortlichen Bakterien leichter ausbreiten können.
Behandlung
Eine Regenräude kann bei ansonsten gesunden Pferden in unkomplizierten Fällen von selbst wieder abheilen. Einige Dinge sind dafür entscheidend:
- Feuchtigkeit reduzieren und die Bedingungen verbessern, die das Bakterienwachstum begünstigen. Häufig verbessert sich die Haut innerhalb von zwei bis drei Wochen, wenn die auslösenden Bedingungen wegfallen [1].
- Die Krusten mit lauwarmem Wasser aufweichen und anschließend behutsam lösen. Sie sollten nicht trocken und gewaltsam abgerissen werden, da das für das Pferd schmerzhaft ist und die Haut zusätzlich verletzen kann. Bei stärkerem Befall kann das Entfernen der Krusten so unangenehm sein, dass dies besser unter tierärztlicher Anleitung erfolgt [1].
- Nach dem Reinigen ist es besonders wichtig, die Haut und das Fell gründlich trocknen zu lassen [1].
Ergänzend: pflanzliche Unterstützung
Für die Hautpflege in der Heilungsphase kommen traditionell pflanzliche Mittel wie Ringelblume zum Einsatz. Für Calendula officinalis liegen sowohl tierärztlich dokumentierte Fallserien bei größeren offenen Wunden bei Tieren, darunter auch Pferden, als auch systematische Übersichtsarbeiten vor, die eine unterstützende Wirkung auf die Wundheilung beschreiben, vor allem in der Entzündungs- und Granulationsphase [5, 6]. Solche Pflegeprodukte ersetzen bei Regenekzem nicht die Grundmaßnahmen trockene Haltung und Kruste-Management, können die Haut in der Abheilphase aber unterstützend pflegen.
Ansteckung und Hygiene
Wenn das eigene Pferd krank ist, hat man oft nur den einen Patienten im Kopf. Die anderen Pferde in Box oder Herde geraten dabei dann möglicherweise schnell aus dem Blick. Dabei ist Dermatophilose ansteckend: Die Bakterien sitzen in den Krusten und werden bei direktem Kontakt weitergegeben, vermutlich auch über Putzzeug, Decken oder Sattelzeug. Ein betroffenes Pferd sollte deshalb möglichst separat stehen, mit eigenem Putzzeug. Abgefallene Krusten und Haare gehören in den Müll, nicht auf die Mistkuhle direkt neben der Box, und Decken, Bürsten oder Halfter, die mit dem Pferd in Kontakt gekommen sind, sollten vor der nächsten Nutzung gründlich gereinigt werden.
Auch eine Übertragung auf den Menschen ist möglich, wenn auch selten. Bei der Versorgung betroffener Hautstellen sind deshalb Handschuhe und gründliches Händewaschen sinnvoll.
Vorbeugung
- Zugang zu einem trockenen Unterstand bei Dauerregen sicherstellen
- Nasses Fell nach dem Regen möglichst abtrocknen lassen, statt es unter einer Decke einzuschließen
- Decken regelmäßig auf ihre Passform und das Mikroklima darunter prüfen, nicht wärmer eindecken als nötig
- Vorgeschädigte Haut, etwa bei Mauke oder nach Insektenstichen, frühzeitig pflegen, um dem Erreger keine Eintrittspforte zu bieten
- Bei Ausbruch in der Herde: Putzzeug, Decken und Sattelzeug des betroffenen Pferdes nicht mit anderen teilen
- Das Immunsystem stärken: Ein intaktes Immunsystem senkt die Anfälligkeit für Hautprobleme wie Regenekzem generell. Zentrale Ansatzpunkte sind eine gesunde Darmflora (Sitz von über 70 % der Immunzellen), antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe wie in Cistus incanus (Cystus Equine) oder Hagebutte enthalten, Stressreduktion sowie ausreichend Bewegung. Gerade im Herbst und Winter, wenn Kälte und weniger Bewegung die Abwehrkräfte zusätzlich belasten, lohnt sich eine gezielte Unterstützung. Mehr dazu im Ratgeber Immunsystem stärken beim Pferd.
Fazit
Ein Regenekzem sieht unangenehm aus, ist aber in den meisten Fällen gut in den Griff zu bekommen, sobald die Ursache verstanden ist: eine Kombination aus anhaltender Nässe und geschwächter Haut. Wer im Herbst und Winter auf trockenen Unterstand, angepasstes Eindecken, ein stabiles Immunsystem und frühzeitige Pflege kleiner Hautschäden achtet, senkt das Risiko deutlich. Bei ausgedehntem Befall oder zusätzlichen Krankheitssymptomen gehört die Behandlung in tierärztliche Hände.
🤖 Hinweis: Das Titelbild dieses Artikels wurde mithilfe von KI erstellt (KI-generiertes Bild).